Wechsel an der Spitze des Artenschutzzentrums vom Allwetterzoo Münster

Michael Meyerhoff wie er einen Raubvogel nach erfolgreicher medizinscher Behandlung wieder in die Wildniss entlässt.

Sieben Jahre im Dschungel von Kambodscha zur arbeiten, das prägt und verändert einen Menschen. „An einem meiner ersten Tage im ACCB hat mir mein damaliger Kollege gesagt, ich müsse hier vor allem flexibel und anpassungsfähig sein“, erinnert sich Michael Meyerhoff. „In dieser Aussage lag sehr viel Wahrheit. Hier war kein Tag wie der andere gewesen und die tagtägliche Arbeit stets voller Herausforderungen. Viele Selbstverständlichkeiten in Europa sind in Kambodscha eben nicht so selbstverständlich.“

Vor 33 Jahren in Halle/Westfalen geboren und aufgewachsen, hat sich Michael Meyerhoff schon in seiner frühen Kindheit für Tiere interessiert. „Meine erste Zooerinnerung war sogar im

Allwetterzoo. Es war die Fütterung der Zwergflusspferde. Ich muss so ungefähr zwei Jahre alt gewesen sein.“ Und seine Begeisterung und Leidenschaft für Tiere ist seit dem ungebrochen. „Zwischen 2010 und 2013 habe ich an der Uni in Bielefeld eine Ausbildung zum Zootierpfleger absolviert und bin im Anschluss im Januar 2014 als Volontär nach Kambodscha zum ACCB gekommen.“ Geplant war anfangs nur ein Jahr in Südostasien. Am Ende wurden es dann aber insgesamt sieben Jahre. „Ich war in den ersten Monaten als Tierpfleger aktiv und habe mich zusammen mit den einheimischen Kollegen um die Versorgung der Tiere gekümmert und Gehege repariert. Danach war ich für ein paar Jahre als Kurator für den gesamten Tierbereich im ACCB zuständig und habe in der Zeit Arterhaltungszuchtprojekte entwickelt, Gehegemodernisierungen und neue Anlagen geplant und den Bau beaufsichtigt. Seit 2016 war ich dann der Verantwortliche für das ACCB vor Ort.“

Den Artenschutz immer im Fokus

Die Arbeit in dem tropischen Land war für ihn immer sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Neben Verwaltungstätigkeiten musste sich er sich als Leiter des ACCBs auch um die strategische Weiterentwicklung kümmern, neue Projekte planen und das Mitarbeiterteam stetig weiterentwickeln. „Darüber hinaus war ich das öffentliche Gesicht des ACCB und habe an vielen Besprechungen und Konferenzen teilgenommen und, von Touristen bis zu Ministern und ranghohen Politkern, viele lokale und internationale Gäste im ACCB empfangen.“

Wenn Michael Meyerhoff einmal nicht im Artenschutzzentrum anzutreffen war, lag es in der Regel daran, dass er unterwegs war um bedrohte Tiere aus den verschiedenen Provinzen Kambodschas abzuholen. „Dabei handelte es sich um von Behörden beschlagnahmte Tiere. Auch wenn andere Organisationen verletzte Tiere in der Natur gefunden haben, wurden wir angerufen“, nennt er Gründe für die Fahrten kreuz und quer durch das Land am Golf von Thailand. „Besonders schön waren immer die Fahrten, an dessen Ende wir Tiere wieder auswildern konnten. Egal ob erfolgreich gesundgepflegt oder aus unserer eigenen Nachzucht, das Gefühl war immer überwältigend.“

Ab Dezember ist das Kapitel Kambodscha für Michael Meyerhoff abgeschlossen und er fängt als Referent für Artenschutz und Umweltmanagement im Leipziger Zoo an. „Die Entscheidung das ACCB zu verlassen war mir unglaublich schwer gefallen und ich habe einige Monate mit mir gerungen. Die vergangenen sieben Jahre waren sehr intensiv. Mein Leben in Kambodscha und meine Arbeit im ACCB waren sehr erfüllend für mich“, blickt er zurück. Aber nicht nur beruflich war die Zeit in Asien prägend. „Ich habe hier im kambodschanischen Wald meine Frau, ACCB's deutsche Tierärztin, kennengelernt und wir haben seit rund einem Jahr einen gemeinsamen Sohn. Das hat schon eine Menge in unserem Leben verändert. Die Anforderungen und unsere eigenen Ansprüche an unsere Arbeit waren mit einer Familie nur sehr schwer in Einklang zu bringen“, sagt er rückblickend. Hinzu kommen die schlechte oder gänzlich fehlende Infrastruktur im Bildungs- und Gesundheitswesen, die die Entscheidung am Ende zu Gunsten einer Rückkehr nach Deutschland gekippt hat.

Unterstützung aus Münster

Michael Meyerhoff und Dr. Philipp Wagner.

Auf Michael Meyerhoff folgt nun die Niederländerin Christel Griffioen. Sie wird zukünftig die Geschicke im ACCB vor Ort koordinieren, wird dabei aber, wie ihr Vorgänger auch, bestmöglich aus Münster unterstützt. „Unsere Arbeit im Artenschutz lebt von den kleinen Erfolgserlebnissen und der Hoffnung einen Unterschied für die Zukunft zu machen“, sagt Dr. Philipp Wagner, Kurator für Forschung und Artenschutz im Allwetterzoo. „Das sind Projekte, die das Team in Kambodscha wie auch hier in Münster angestoßen und begonnen hat. Zum Beispiel das Barttrappenzuchtprojekt, die Projekte für eine Handvoll Schildkrötenarten

oder für die letzten Riesenibisse oder auch unser Umweltbildungsprojekt, das wir zusammen mit der Welttierschutzgesellschaft mit den vor Ort lebenden buddhistischen Mönchen umsetzen. Das sind alles Projekte, die auf Jahrzehnte ausgelegt sind. Wir freuen uns deswegen, mit Christel jemanden gefunden zu haben, die sich nicht nur um die tierischen belange kümmert, sondern auch für Verständnis rund um Natur- und Artenschutz sowie Geldspenden wirbt. Denn nur so kann am Ende aus den vielen kleinen Erfolgserlebnissen, ein großes und nachhaltiges Fazit für den Natur- und Artenschutz gezogen werden“, gibt er sich zuversichtlich. Und das in Kambodscha großes bewirkt werden kann, hänge aber auch mit der sehr guten Unterstützung von Münsteraner Partnern zusammen. So seien unter anderem die Stadtwerke Münster schon seit vielen Jahren ein guter und zuverlässiger Weggefährte des Allwetterzoos, wenn es um das Thema Artenschutz ginge.

Derweil ist Michael Meyerhoff mittlerweile wieder in Deutschland angekommen. Im Gepäck sehr viele unvergessliche Momente, ein verändertes Weltbild und natürlich seine Familie. „Ich würde es wieder so machen. Ich habe es nie bereut, mich für Kambodscha und das ACCB entschieden zu haben.“