Zählung im Allwetterzoo Münster: Weißstorch erreicht enorm hohes Alter – Jungvögel üben für den ersten Flug

Foto: M.Tillmann
- 06.07.2026
Weißstörche gibt es im Allwetterzoo Münster seit vielen Jahren, doch zu den offiziellen Zoo-Tieren gehören die beeindruckenden Vögel nicht. Sie sind wildlebende Tiere, die Jahr für Jahr Münster für ein paar Monate Richtung Westen verlassen und dann wieder für die Brutzeit zurückkehren. „Das erste freifliegende Paar hat sich 1996, also vor genau 30 Jahren, im Allwetterzoo angesiedelt. Mittlerweile sind es bedeutend mehr“, sagt Janine Wendels, Kuratorin im Allwetterzoo Münster. Im aktuellen Jahr 2026 wurden 54 Horstpaare gezählt. Sie haben 114 Jungvögel großgezogen – so viele wie noch nie. In den kommenden Tagen werden die jungen Störche ihre ersten Flugübungen machen.
Drei der jungen Störche sitzen in einem Nest nahe der Afrika-Anlage. Ihr Vater ist ein außergewöhnlich alter Storch. „Uns liegt eine Meldung der Vogelwarte vor, dank der wissen wir, dass er vor 30 Jahre in Nordbaden beringt wurde. Sein Alter ist vergleichbar mit einem 100 Jahre alten Menschen und eine absolute Seltenheit“, sagt Michael Tillmann, ausgewiesener Experte für Weißstörche und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW und verantwortlich für die Zählung. Seit 25 Jahren besetzt der Storch dasselbe Nest auf dem Zoogelände.
Störche im Allwetterzoo werden nicht zugefüttert
Im Allwetterzoo wurde die Zufütterung der Störche im Jahr 2015 eingestellt. „Damals hatten einige Menschen Sorge, dass diese Entscheidung negative Auswirkungen auf die Population haben könnte“, sagt Tillmann. „Doch die blieben aus. Stattdessen ist die Storchen-Kolonie Jahr für Jahr größer geworden.“ Mittlerweile gehört sie zu einer der größten in NRW.
Die Hauptursache dafür sieht er in dem veränderten Zugverhalten der Tiere. Während die Weißstörche früher für die Überwinterung bis nach Westafrika geflogen sind, fliegen sie heute nur noch bis zur iberischen Halbinsel. Der deutlich kürzere Weg erhöht die Überlebensrate deutlich. Zudem finden die Tiere auf den überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen rund um den Allwetterzoo ausreichend Nahrung. „In diesem Jahr gab es viele Mäuse. Solche Mäusejahre sind oft auch gute Storchenjahre“, sagt Tillmann.
Bestandserfassung der Weißstörche ist arbeitsintensiv
Für die Bestandserfassung und die Bruterfolgskontrolle war er in den vergangenen Monaten häufig im Allwetterzoo unterwegs, teilweise sogar zweimal die Woche.
Unterstützt wurde er dabei von der Biologiestudentin Emely Hirschmann. Die hatte im Vorhinein ein freiwilliges ökologisches Jahr auf dem Storchenhof Loburg bei Magdeburg absolviert und brachte beste Erfahrungen mit. „Es hat mir unheimlich Spaß gemacht“, sagt Hirschmann. „Und dass wir hier im Zoo diesen grandiosen Bruterfolg haben, ist natürlich nochmal besonders toll.“ Mit dem Herbstzug werden sich die jungen und die älteren Störche gemeinsam auf den Weg in wärmere Gegenden machen – und kommen im nächsten Jahr vermutlich zahlenstärker als zuvor wieder zum Allwetterzoo zurück.