Alles für das Wohl der Tiere
Rund 2.600 Tiere aus etwa 280 verschiedenen Arten leben im Allwetterzoo Münster. Sie alle haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse – je nach Art, Alter, Herkunft und Persönlichkeit. Für uns ist deshalb klar: Tierwohl bedeutet, jedes Tier individuell zu betrachten und bestmöglich zu unterstützen.
Tierwohl ist für uns keine abstrakte Idee, sondern tägliche Praxis. Es zeigt sich in vielen kleinen Momenten: in ruhigen Tieren, die sich sicher fühlen, in neugierigem Verhalten, in Spiel, Erkundung und sozialen Kontakten. Unser Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, in denen unsere Tiere nicht nur versorgt sind, sondern sich wohlfühlen können.

Tierwohl umfasst mehr als gute Pflege oder ausreichend Futter. Es beschreibt, wie ein Tier sein Leben erlebt.
Fühlt es sich sicher? Kann es sich zurückziehen, wenn es Ruhe braucht? Hat es die Möglichkeit, aktiv zu sein, Entscheidungen zu treffen und seine Umwelt zu erkunden?
Für uns bedeutet Tierwohl:
- körperliche Gesundheit
- mentale Ausgeglichenheit
- die Möglichkeit, artspezifisches Verhalten auszuleben
Dabei ist uns wichtig: Tierwohl ist kein Zustand, der für alle Tiere gleich aussieht. Jedes Tier bringt eigene Bedürfnisse und Erfahrungen mit – und genau darauf richten wir unsere tägliche Arbeit aus.

Um Tierwohl umfassend und strukturiert zu betrachten, orientieren wir uns am international anerkannten Fünf‑Domänen‑Modell. Dieses Modell hilft uns dabei, das Wohlbefinden unserer Tiere ganzheitlich einzuschätzen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Es betrachtet vier grundlegende Lebensbereiche:
- Ernährung
- Umwelt
- Gesundheit
- Verhalten
Diese vier Bereiche wirken gemeinsam auf die fünfte Domäne: das mentale Erleben des Tieres.
Das Modell macht deutlich: Selbst wenn ein Tier körperlich gut versorgt ist, spielt auch sein emotionales Erleben eine entscheidende Rolle für echtes Tierwohl. Genau deshalb legen wir großen Wert darauf, positive Erfahrungen aktiv zu ermöglichen.
Artgerechte Ernährung – mehr als satt werden
Eine ausgewogene, artgerechte Ernährung ist die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden.
Auch die Art der Fütterung spielt eine wichtige Rolle: In der Natur verbringen Tiere oft einen großen Teil ihres Tages mit der Futtersuche. Dieses Verhalten greifen wir bewusst auf.
Durch unterschiedliche Fütterungsformen, wechselnde Futterplätze oder versteckte Nahrung fördern wir:
- natürliche Such‑ und Erkundungsverhalten
- geistige Beschäftigung
- Abwechslung im Alltag
So wird Futter nicht nur zur Versorgung, sondern zu einer sinnvollen und positiven Aktivität.

Die Gestaltung der Lebensräume hat großen Einfluss darauf, wie sicher und wohl sich ein Tier fühlt. Unsere Anlagen sind deshalb so konzipiert, dass sie natürliche Lebensräume nachempfinden, ohne dabei die individuellen Bedürfnisse der Tiere aus dem Blick zu verlieren.
Dazu gehören:
- strukturreiche Gehege mit Höhenunterschieden
- Rückzugsorte außerhalb des Besucherblicks
- unterschiedliche Bereiche für Aktivität und Ruhe
Eine gut gestaltete Umgebung gibt den Tieren Orientierung, Sicherheit und Wahlmöglichkeiten – wichtige Voraussetzungen für ein stabiles und positives Wohlbefinden.
Gesundheit und Fürsorge – aufmerksam und vorausschauend
Gesunde Tiere sind aufmerksam, aktiv und zeigen natürliches Verhalten. Um das zu gewährleisten, arbeiten Tierpflegerinnen und Tierärztinnen im Allwetterzoo eng zusammen. Die Tiere werden täglich beobachtet, Veränderungen frühzeitig erkannt und Maßnahmen behutsam umgesetzt.
Dabei geht es nicht nur um die Behandlung von Krankheiten, sondern vor allem um:
- Vorsorge
- stressarme Abläufe
- eine vertrauensvolle Mensch‑Tier‑Beziehung
Denn auch medizinische Maßnahmen sollen so gestaltet sein, dass sie möglichst wenig Belastung für die Tiere bedeuten.

Jede Tierart hat ein natürliches Verhaltensrepertoire: klettern, graben, schwimmen, spielen, soziale Kontakte pflegen oder allein sein.
Tierwohl bedeutet für uns, diesen Bedürfnissen Raum zu geben.
Mit gezielten Beschäftigungsangeboten – auch „Enrichment“ genannt – regen wir Tiere dazu an, sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Das fördert:
- natürliche Bewegungsabläufe
- geistige Auslastung
- positive Emotionen wie Neugier oder Zufriedenheit
Besonders wichtig ist dabei, dass Tiere selbst entscheiden können, ob und wie sie Angebote nutzen.
Das mentale Wohlbefinden – der Kern des Tierwohls
Alle genannten Bereiche wirken zusammen und beeinflussen, wie ein Tier seinen Alltag erlebt.
Fühlt es sich sicher? Hat es Kontrolle über seine Umgebung? Erlebt es Abwechslung und positive Reize?
Das mentale Wohlbefinden steht im Zentrum unseres Tierwohl‑Verständnisses. Denn erst wenn körperliche und seelische Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt werden, kann ein Tier ein gutes, lebenswertes Leben führen.
Tierwohl als fortlaufender Prozess
Tierwohl ist nichts Starres. Es verändert sich mit dem Tier, mit neuen Erkenntnissen und mit den Rahmenbedingungen. Deshalb verstehen wir Tierwohl als kontinuierlichen Prozess.
Wir beobachten genau, lernen dazu und passen unsere Arbeit stetig an. Dieser Anspruch begleitet uns jeden Tag – aus Verantwortung und aus Respekt gegenüber unseren Tieren.



