Einziger Zoo in Deutschland mit Spermien-Biobank: Allwetterzoo-Tierärztin Dr. Imke Wiemann erhält Nachhaltigkeitspreis

Ein erwachsenes Leoparden-Weibchen läuft mit dem Nachwuchs über die Anlage im Allwetterzoo.

Foto: Arlinghaus

Hinter den Kulissen des Allwetterzoo Münster verbirgt sich eine Sammlung von unschätzbarem Wert. Als einziger Zoo in Deutschland unterhält der Allwetterzoo Münster eine eigene Spermien-Biobank für bedrohte Wildtierarten. Ihre Gründerin ist Dr. Imke Wiemann, Zoo-Tierärztin im Allwetterzoo Münster.

Sie hat vor 15 Jahren aus eigenem Antrieb mit der Sammlung der für die Arterhaltung so wichtigen Spermienproben begonnen. Ihr Ziel ist es, eine einzigartige Genreserve aufzubauen. Mittlerweile lagert Wiemann Spermien für Zoos in ganz Deutschland ein. Darunter sind Spermien von Asiatischen Löwen, Persischen Leoparden, Anoas, Elefanten, Wombats, Goldkatzen und vielen weiteren stark bedrohten Tierarten.

Nachhaltigkeitspreis für Zoo-Tierärztin Dr. Imke Wiemann

Für ihre wertvolle Arbeit wurde Wiemann nun mit dem Nachhaltigkeitspreis der Volksbank Westmünsterland eG ausgezeichnet.

„Der Allwetterzoo Münster denkt Artenschutz weit über die Gegenwart hinaus. Mit dem Aufbau einer Genreserve für bedrohte Tierarten verbindet er Wissenschaft, Forschung und Nachhaltigkeit auf beeindruckende Weise und leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Dieses zukunftsweisende Engagement hat die Jury besonders überzeugt“, sagt Dr. Carsten Düerkop, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Westmünsterland eG.

Wiemann lagert die Spermien bei annähernd minus 200 Grad in flüssigem Stickstoff – eine Spende der Westfalen AG. So können die Spermien – wenn nötig – jahrzehntelang überleben, bevor sie aufgetaut und dann beispielsweise bei einer künstlichen Besamung zum Einsatz kommen.

Diese wird ausschließlich nach Abstimmung mit Koordinator*innen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme durchgeführt. Im Allwetterzoo Münster war das zuletzt bei der Persischen Leopardenkatze Nahla der Fall. Sie wurde künstlich besamt, im Juli 2025 kam daraufhin das Jungtier Shirin zur Welt, die bis heute im Allwetterzoo lebt. Der Vater von Shirin ist ein Kater aus dem Kölner Zoo, der sich nicht auf natürliche Weise fortpflanzt, für die Genetik und den Arterhalt aber extrem wichtig ist. Imke Wiemann ist eine der wenigen Tierärzt*innen in Deutschland, die künstliche Besamungen bei Wildtieren durchführen kann.

Wiemann: „Grundstein für die weitere Forschung“

„Künstliche Besamungen und die Gewinnung von Spermien gehören bislang noch nicht zum klassischen Zootierarzt-Alltag, weil wir insgesamt noch zu wenig wissen. Langfristig werden wir aber nicht auf Spermien-Biobanken verzichten können, wenn wir Arten genetisch sinnvoll in Zuchtprogrammen erhalten wollen. Wir müssen jetzt damit anfangen und dürfen nicht erst dann ins Handeln kommen, wenn es schon zu spät ist. Vielleicht werde ich es nicht mehr erleben, dass einige der Proben Verwendung finden, aber ich habe zumindest hier in Münster einen Grundstein für die weitere Forschung gelegt“, sagt Wiemann. Das Preisgeld von 3000 Euro will Wiemann in neue medizinische Geräte investieren.

„Imke Wiemanns Arbeit und ihr Engagement sind für uns als Allwetterzoo, aber auch für den Artenschutz generell, von enormer Bedeutung. Die Spermien-Biobank ist bereits heute ein wichtiger Baustein für den Erhalt verschiedenster Arten und wird in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen", sagt Zoodirektorin Dr. Simone Schehka.