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22. September 2009

Emmis drittes Baby ist da!

Nashorn-Nachwuchs im Allwetterzoo:


Große Freude: Nashorn-Nachwuchs im Allwetterzoo
   

Am Sonntag, 20. September, um kurz vor 12 Uhr brachte Nashornkuh Emmi das lang ersehnte dritte Jungtier zur Welt. Das weibliche Nashornkalb hat noch keinen Namen und wog bei seiner Geburt 58,6 Kilogramm. Eine erste tierärztliche Untersuchung ergab einen tollen Befund: Das Nashorn-Baby ist rundum gesund.

 

Im Vorfeld der Geburt war die Sorge bei Zooleitung und Tierpflegern groß, da „Emmi“ ihre ersten beiden Babys in starker Nervosität so schwer verletzt hatte, dass diese unmittelbar nach der Geburt starben. „Emmis“ Verhalten dem Neugeborenen gegenüber war auch am Sonntag wieder so aggressiv, dass das anwesende Zooteam größte Sorge um das Leben dieses Babys hatte. Innerhalb weniger Minuten wurde daher entschieden, einzugreifen. Glücklicherweise ließ sich Nashorn-Mutter „Emmi“ in ein Nachbargehege locken. Bis auf ein ungefährliches Hämatom am Bauch war das Nashornbaby völlig unversehrt.

 

Große Freude: Nahorn-Nachwuchs im Allwetterzoo
 

Kurz danach trank das Neugeborene zur Erleichterung aller bereits aus der Flasche und wird jetzt vom Pflegerteam rund um die Uhr versorgt und betreut: Es bekommt alle zwei Stunden eine große Flasche mit einer speziellen Milch. Die erste Milch bekamen wir aus der Tierklinik Telgte. Mittlerweile wird das Baby mit SALVANA FOHLENMILCH gefüttert, die uns freundlicherweise von der Firma SALVANA aus Hamburg kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Außerdem wird das kleine Nashorn von zwei Wärmelampen warmgehalten und von seinen Pflegern durch Streicheleinheiten mit dem für diese Tiere so wichtigen Körperkontakt versorgt. Das soll aber nicht heißen, dass das Nashorn-Baby zu stark von seiner menschlichen „Ersatzfamilie“ geprägt wird. Es ist wichtig, dass „Emmis“ Jungtier auch Kontakt zu seinen Artgenossen behält, um in einiger Zeit auch in die münstersche Nashorn-Herde eingegliedert und dort akzeptiert zu werden.

 

Das Nashornhaus ist ab sofort wieder für die Zoobesucher geöffnet.

 

Große Freude: Nashorn-Nachwuchs im Allwetterzoo
 


Breitmaulnashörner im Allwetterzoo

  • Harry, geboren am 28. Dezember 1990 in Whipsnade/GB, seit 1994 in Münster
  • Vicky, geboren am 23. Dezember 1986 in Münster
  • Emmi, geboren am 22. Oktober 1990 in Münster, 2. Zoogeneration!

 

Nashornzucht im Allwetterzoo

Münster kann auf eine lange Tradition und bemerkenswerte Erfolge in der Zucht von Breitmaulnashörnern zurückblicken. Von 1977 bis 1990 wurden sieben Geburten verzeichnet. Das Kalb von 1977 war das erste in einem bundesdeutschen Zoo geborene und mit Emmi kam ein Kalb sogar in zweiter Zoogeneration zur Welt.

 

Breitmaulnashorn
   

Der Zuchtbulle Harry, der seit 1994 in Münster lebt, deckte Emmi Anfang 1999 erfolgreich. Nach rund 16monatiger Tragezeit brachte sie am 11. August 2000 ein gesundes männliches Kalb auf die Welt. Die sichtlich nervöse, erstgebärende Mutter verletzte dieses Kalb jedoch unmittelbar nach der Geburt so stark, dass es starb. Danach deckte der Bulle Emmi, die damals einen sehr regelmäßigen Zyklus hatte, immer wieder, doch leider stets erfolglos.

 

2002 wurde mit Unterstützung durch das Berliner Institut für Zoo- und Wildtierbiologie (IZW) eine künstliche Befruchtung von Emmi mit Harrys Samen versucht, allerdings ohne den erhofften Erfolg. Ultraschalluntersuchen ergaben seinerzeit, dass Emmis Eierstöcke nur einen gering vorhandenen Zyklus zeigten, die Wissenschaftler bezeichneten die Kuh als „schwach östrisch“. Dennoch „mühte“ sich Harry weiterhin!

 

Im Herbst 2004 hatte es dann endlich wieder geklappt: Hormonbefunde bestätigten die Vermutung der Tierpfleger, Emmi war wieder trächtig. Leider hat auch das zweite Jungtier, geboren am 26. Juli 2005, nur wenige Stunden gelebt. Obwohl sich Emmi anfangs ruhig verhielt, attackierte sie das männliche Neugeborene plötzlich und unvorhersehbar mit dem Horn. Untersuchungen des toten Kalbes im IZW in Berlin ergaben, dass es an den Folgen innerer Verletzungen gestorben ist. Der eine Stoß mit dem Nasenhorn der Mutter hatte einen Leberabriss verursacht und damit zum inneren Verbluten geführt.

 

Seit dem Spätsommer 2008 ist Emmi zum dritten Mal trächtig. Nach dem Motto „Neue Wände, neues Glück!“ war der Umbau der Nashornfreianlage im Frühjahr 2008 anscheinend Anlass für das gesteigerte Interesse von Harry an Emmi. Während der Bauzeit waren die Nashornkühe einige Wochen vom Bullen getrennt gewesen. Und schon Mitte Mai, also kurz nach dem Umzug, widmete sich Harry zwei Tage lang sehr ausgiebig seiner Partnerin! Dass Harrys Bemühungen erfolgreich waren, zeigten die Untersuchungsergebnisse der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die dortigen Wissenschaftler sind auf Hormonbestimmungen in Nashorn-Kot spezialisiert und stellten anhand von Emmis Kotproben deren Trächtigkeit fest. Als Geburtstermin wurde der Zeitraum um den 20. September 2009 errechnet.


Breitmaulnashörner allgemein

Im Allwetterzoo lebt die südliche Unterart des Breitmaulnashorns, von denen es noch schätzungsweise 17.500 Tiere im südlichen Afrika gibt, die überwiegend in Schutzgebieten leben. In den Zoologischen Gärten der Welt werden derzeit 730 Tiere gehalten (Zahlen: WAZA/2008). Die nördliche Unterart ist so gut wie ausgerottet. In überhaupt nur zwei Zoos weltweit werden acht Tiere gehalten. Hauptgrund für die starke Bedrohung aller Nashornarten ist nach wie vor die Wilderei, die mit dem Aberglauben um die Wirkungen des Nasenhorns in Asien zusammenhängt. Hinzu kommt mehr und mehr der Verlust ihrer Lebensräume durch die Ausbreitung menschlicher Zivilisation. In Nordrhein-Westfalen leben nur in Münster, Dortmund und Duisburg Breitmaulnashörner. Wegen ihrer akuten Bedrohung im Freileben und entschieden zu geringen Geburten in menschlicher Obhut kommt jeder Nachzucht in einem Zoologischen Garten eine besondere Bedeutung zu.