Klima- und Artenschutz hängen zusammen

Zoo und Klimawandel, da kommen gleich mehrere Ebenen auf einmal zusammen. „Klimawandel ist zwar derzeit noch nicht die stärkste Bedrohung der Arten, dennoch muss man natürlich auch im Artenschutz stärker auf die durch den Wandel besonders bedrohten Arten eingehen. Und da geht es nicht nur um den Eisbären“, sagt der Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz im Allwetterzoo Münster. „Der Zoo als Unternehmen muss, was Klimaschutz angeht, mit gutem Beispiel voran gehen. Zum Wohle von Natur und Tier – und am Ende auch zum Wohle von uns Menschen.“

Das Management des Allwetterzoos geht die Thematik auf mehreren Ebenen an. „Nicht nur in der Tierhaltung und dem Artenschutz beschreiten wir neue Wege.

Wärme aus der Erde nutzt der Allwetterzoo für das Beheizen der Gepard-Hütten. Eine Wärmepumpe zapft die gespeicherte Wärme im Erdreich an und gibt sie an die Bodenheizung ab. Die Sonde, die die Erwärme aufnimmt, reicht etwa 50 Meter tief.

Auch bei einem der brennendsten Themen unserer Zeit, dem Energiesparen, sind wir Vorreiter“, so Dirk Heese, Technischer Leiter und Prokurist im Allwetterzoo. „Zukunftsorientierte und vor allem die Umwelt schonende Energieversorgung betreiben wir seit Anfang der 1990er Jahre. Unsere Maßnahmen sind vielfältig und berücksichtigen immer auch die Aspekte Nachhaltigkeit, Umweltschutz, CO2-Reduzierung sowie Kostenersparnis.“ Besuchern, die sich für diese Themen interessieren, bietet der Allwetterzoo einen „Energiepfad“ an, der an neuralgischen Punkten mit leicht verständlichen Tafeln über Photovoltaik, Solarthermie, Erdwärme und Wasserreinigung aufklärt und schildert, wie die jeweiligen Techniken in den einzelnen Revieren genutzt werden.

Die Veränderung des globalen Klimas hängt nicht nur mit fortschreitenden Anstiegen von klimaschädlichen Gasen zusammen. „Auch, dass wir aktiv weiter Raubbau an der Natur betreiben, Böden übernutzen und biologisch wertvolle Landstriche für die Agrar- oder Holzindustrie freigeben schadet dem natürlichen Gleichgewicht. Und hier geht es dann nicht nur um die globale Klimabilanz“, so Dr. Philipp Wagner. Gerade was Landnutzung anginge, würde immer wieder der Artenschutz vernachlässigt oder mit zweifelhaften Maßnahmen ausgeglichen. „Orang-Utans gehen die Regenwälder verloren, in anderen Ländern fallen die Wälder für Cashew-Plantagen und der Flussschildkröte werden die Sandbänke abgetragen. Das gilt aber genauso für die europäische industrielle Landwirtschaft die unsere artenreichen Kulturlandschaften bedroht und Kiebitz, Rebhuhn und Braunkehlchen von den Feldern oder die Alpenkrähe von den Almen verschwindet. Diclofenac, ein Schmerzmittel aus der Human- und Tiermedizin, ist als Ursache für ein millionenfaches Geiersterben und bringt Arten an den Rand der Ausrottung. Von der EU wurde es wider besseren Wissens in der Tiermedizin erlaubt und das obwohl die europäischen Geierpopulationen noch viel zu klein sind und durch fehlende Beutegreifer wie Bär und Wolf und den europäischen Hygienebestimmungen ohnehin auf nachhaltige Unterstützung durch den Menschen angewiesen sind. Zu diesem Stress kommt nun dazu, dass sich Verbreitungsgebiete der Arten durch den Klimawandel ändern und sich auch Schutzgebiete so verändern, dass sie den Fokusarten gegebenenfalls nicht mehr gerecht werden.“

Das eine geht nicht ohne das andere

Einrichtungen wie den Allwetterzoo Münster stellt der Klimawandel aber noch vor ganz andere Probleme. „Wir wollen Arten ja nicht nur erhalten, sondern im besten Fall auch auswildern. Doch eine Folge des Klimawandels ist, dass sich natürliche Lebensräume verlagern. Das stellt uns vor große logistische und ethische Probleme. Denn die Tiere sollen zum einen in ihrem natürlichen Lebensraum ausgewildert werden, wo die räumliche Beschaffenheit gegeben ist und, im besten Fall, auch die dort lebenden Menschen an eine Koexistenz gewöhnt sind“, erläutert der Kurator. „Tiere einfach in einer klimatisch besseren Region auszuwildern, wo sie natürlicher Weise gar nicht vorkommen, bedeutet wiederum einen massiven Eingriff in bestehende und ausgeglichene Ökosysteme. Durch unsere Erhaltungsbemühungen könnte wir dann mit dieser neuen invasiven Art das Gleichgewicht total durcheinander wirbeln.“

Vor allem, wenn der natürliche Lebensraum nahezu verschwunden, beziehungsweise unbewohnbar geworden ist, wie unter anderem beim Titicacasee-Frosch in Lateinamerika oder dem Schimpansen in Westafrika, stellt das die Experten vor immense Probleme.

Im Allwetterzoo Münster wird deswegen nicht nur auf die Bedrohungen zahlreicher Arten hingewiesen, sondern auch auf die Zerstörung ihrer Lebensräume durch aktives wie passives Auftreten des Menschen. „Wer ein ernsthaftes Interesse am Erhalt des Planten Erde und seiner Bewohner hat, kommt nicht darum herum, sich gegen den menschgemachten Klimawandel zu engagieren. Und auch wer diesen bezweifelt, sollte sich im Sinne von Natur und Artenschutz trotzdem so verhalten als gäbe es ihn“, sagt der Artenschutzexperte. So sollte es keinem zum Nachteil gereicht sein, das selbst wenn in der Zukunft herauskommt, dass der Klimawandel nicht menschbedingt ist, der Mensch noch immer auf einem intakten Planeten lebt, und sich diesen mit einer Vielfältigen Flora und Fauna teilt.

Ein ganz anderer Punkt in Sachen Klima-, Natur- und Artenschutz ist der Schutz der Menschheit selbst. Denn wenn immer mehr Lebensräume zerstört und immer mehr Wildtiere auf Märkten gehandelt werden, dezimiert sich nicht nur die Artenvielfalt. Auch kommen Wildtiere und Menschen immer enger in Kontakt. Die Wahrscheinlichkeit für Ausbrüche von Infektionskrankheiten nimmt dadurch zu. In den vergangenen Jahren zeigten das unter anderem Ebola, die Vogelgrippe, das Atemwegssyndrom des Nahen Ostens MERS, das Rift Valley-Fieber, das schwere akute Atemwegssyndrom SARS, das West-Nil-Virus oder auch das Zika-Virus. „Jedes Mal waren ursprünglich Tiere Träger der neuen Krankheitserreger. Aber dass das Virus jeweils vom Wildtiere, die mit diesen natürlichen Erregerstämme gut klarkommen, auf den Menschen übertragen worden ist, dafür ist die unnatürliche Nähe von Menschen und Wildtieren verantwortlich zu machen“, so Dr. Philipp Wagner. „Inger Andersen, Direktorin des UN-Umweltprogramms, hat recht wenn sie sagt: Wenn wir so weitermachen, ist die nächste Epidemie nur eine Frage der Zeit.“

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