Vielfältige Ansätze zur Eindämmung des EPS Bestandes

Im vergangenen Jahr hatte auch der Allwetterzoo Münster mit einem massiven Aufkommen des Eichenprozessionsspinner (EPS) zu kämpfen. Das Team leistete damals alles in seiner Macht stehende, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Dazu zählte unter anderem, dass eine Fachfirma beauftragt worden war, eine sachgerechte Beseitigung der Nester und Raupen an den betroffenen Eichenbäumen zu gewährleistet, sobald der Befall dort ersichtlich war.

Auch in diesem Jahr geht das Team des Allwetterzoos davon aus, dass die auf dem Zoogelände stehenden Eichen erneut sehr stark vom EPS befallen werden. Allerdings ist die Einrichtung in

diesem Jahr besser vorbereitet. Im Allwetterzoo steht der Schutz der Gesundheit der Besucher, der Mitarbeitenden und der Tiere im Vordergrund. Potentielle durch den EPS entstehende Fraßschäden werden nicht bekämpft, sondern toleriert. Um die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern zu gewährleisten ist es aber maßgeblich, die Dichte der Brennhaare zu reduzieren. Daher favorisiert der Allwetterzoo vor allem mechanische und chemische Maßnahmen, da sie deutlich effizienter sind als zum Beispiel organisatorische Maßnahmen, wie dem Absperren von Arealen.

Mechanisch, chemische und organisatorische Maßnahmen

Für einen normalen Befall durch den EPS hat die Institution am Aasee entsprechende Ausrüstung angeschafft und eigenes Personal geschult, um Maßnahmen größtenteils in Eigenregie durchführen zu können. So ist das Team von kommerziellen Anbietern unabhängig und kann ohne zeitliche Verzögerung reagieren. Durch diese reduzierte zeitliche Distanz zwischen Auftreten des Befalls und der Maßnahme wird das Gesundheitsrisiko für Menschen und Tiere gesenkt.

Aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahre hat sich der Allwetterzoo Münster in diesem Jahr aber nach vielen Diskussionen und Abwägungen zu einem weiteren Schritt entschieden. „Wir werden präventive chemische Maßnahmen ergreifen. Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidung durchaus bewusst, sehen aber keinen Handlungsspielraum“, erklärt die Zooleitung. „Wir wissen, dass wir damit in den Naturhaushalt des Lebensraum Zoo eingreifen. Daher soll die chemische Maßnahme die Ausnahme bleiben.“ Deswegen haben die Verantwortliche im Vorfeld darauf geachtete, dass ein Biozid verwendet wird, das am wenigsten Schaden anrichtet und die geringste Menge Biozid verbraucht.

Einsatz von Biozid

Am Montag, 27. Mai, fliegt deswegen gegen späten Nachmittag ein Hubschrauber über das Areal des Allwetterzoos und bringt den Wirkstoff „Foray®ES“ aus. „Damit gehen wir einen ähnlichen Weg wie andere Institutionen in der Region.“ Die Tiere sowie das Personal des Allwetterzoos werden für die Zeit des Einsatzes nicht auf dem Gelände, beziehungsweise auf den Außenanlagen der Reviere sein. Auch wenn das Ausbringen des Biozids sehr punktuell erfolgen wird, sollen die Tiere nicht durch den Lärm des tieffliegenden Helikopters in Panik versetzt werden. Aus diesem Grund werden die Zoo-Tiere in ihre Häuser und Stallungen gebracht.

Bei dem Wirkstoff „Foray®ES“ handelt es sich um ein biologisches Insektizid zur erfolgreichen Bekämpfung von freifressenden Schmetterlingsraupen wie zum Beispiel Eichenprozessionsspinner oder auch Frostspanner – außer Wollspinner, Trägspinner und Eulen. Nach der Wirkstoffaufnahme erfolgt ein sofortiger Fraßstopp der Raupen. Die Wirkungsdauer beträgt bis zehn Tage. Das Insektizid findet auch im biologischen Anbau eine breite Anwendung und wirkt sehr zielgerichtet, ohne andere  Insekten zu schädigen.

Monitoring kontrolliert die Maßnahmen

Das Team des Allwetterzoos sieht bezüglich des EPS einen klaren Forschungsbedarf, was die ökologischen Zusammenhänge zwischen EPS und seinen natürlichen Feinden auf der einen Seite sind und wie Bekämpfungsmaßnahmen auf der anderen Seite dem entsprechend abgestimmt werden können. „Da die Eingriffe bei den Bekämpfungsmaßnahmen aber erheblich sind, ist die Kenntnis über potenzielle natürliche Mechanismen von zentraler Bedeutung. Deswegen haben wir dem Einsatz von Biozid nur zugestimmt, wenn es ein begleitendes Monitoring gibt.“

Der Allwetterzoo als Tier-, Natur- und Artenschutzeinrichtung ist sich der augenscheinlichen Widersprüchlichkeit dieses Vorhabens bewusst. Um in der Zukunft solch schwerwiegende Entscheidungen besser treffen zu können, wird die Ausbringung des Biozids deswegen auf dem Gelände des Allwetterzoos wissenschaftlich begleitet. Das Allwetterzoo-Team wird ein langfristiges Monitoring durchführen, um zu sehen, welche Auswirkungen der Einsatz hat. Das gilt sowohl für den EPS, als auch für alle anderen Tiere, die auf dem Gelände des Allwetterzoos leben und vorkommen. Dafür werden unter anderem, regelmäßige die verschiedenen Risikobereiche inspiziert und es wird

gezielt nach Eiern, Raupen und Schmetterlingen gesucht. Ferner gibt es ein Monitoring über Pheromonfallen während der Flugphase der männlichen Schmetterlinge. Dazu werden mittels Rollen entsprechende Fallen in die Baumkronen der Eichen gezogen und regelmäßig geleert.

Während der Wintermonate findet ein Nach-Monitoring statt bei dem die Risikogebiete auf alte Nester hin kontrolliert und deren Anzahl erfasst wird. Dies dient nicht nur zur Einschätzung der Populationsdichte, sondern auch der Einschätzung der Effektivität der durchgeführten Bekämpfung.

Langfristige Projekte für die Zukunft

Neben dem Einsatz von Biozid treibt der Allwetterzoo Münster aber noch eine ganze Reihe von anderen Projekten voran, um langfristig einer zu starken Ausbreitung der Raupen vorzubeugen. Denn beim EPS handelt es sich um eine einheimische Insektenart, deren Massenvermehrungen ein natürliches Phänomen ist und in der Vergangenheit auch ohne Eingriffe des Menschen wieder zurückgegangen ist.

Der EPS hat, trotz der Brennhaare der Raupen, durchaus zahlreiche natürliche Feinde. Fledermäuse und Vögel gelten vor allem als Fressfeinde der Schmetterlinge, während die Raupen nur von wenigen Vögeln, vor allem nach dem Ausbilden der Brennhaare, gefressen werden. In Deutschland sind es vor allem der sehr seltene Wiedehopf und der immer seltener vorkommende Kuckuck, die noch Raupen mit Brennhaaren fressen. Letzterer würgt seine Magenschleimhaut mit den festsitzenden Brennhaaren aus. Weitaus bedeutender sind demnach andere Fressfeinde und Parasiten. Dies sind vor allem der Calosoma sycophanta (Großer Puppenräuber), verschiedene Tachinidae (Raupenfliegen), Ichneumonidae (Schlupfwespen) und Braconidae (Brackwespen).

Fördern eines natürlichen Gleichgewichtes

Um langfristig ein natürliches Gleichgewicht zwischen EPS und Fressfeinden sowie Parasiten gewährleisten zu können, gibt es gleich mehrere Projekte, dieses Ziel sichern sollen. Dazu zählt zum einen die Schaffung einer höheren Strukturvielfalt, mit der die Lebensraumqualität im Allwetterzoo insgesamt verbessert werden soll. Dies betrifft nicht nur die für Besucher erkennbaren Bereiche, sondern auch ungenutzte Teile des Zoos sowie der Wirtschaftsbereich und Futterhof. Die Strukturvielfalt soll zum Beispiel durch eine Erhöhung des Totholzanteils, also der Anlage von Totholzhaufen, dem gezielten Ablegen größerer, für den Allwetterzoo nicht mehr nutzbarer Baumstämme, der Anlage von Benjeshecken oder Trockenmauern sowie der Anlage von Kleingewässern auf dem Zoogelände erreicht werden. Auch die Förderung der Bestäubervielfalt ist einer der Punkte. So werden ungenutzte Flächen des Allwetterzoo zu Blühflächen umgearbeitet. Hier wird auf heimisches Saatgut zurückgegriffen. Zudem werden die Flächen in das zoologische Umweltbildungskonzept integriert.

Auch Nistmöglichkeiten sowie Schlafquartiere für Tiere sollen ausgebaut werden. Um die strukturelle Vielfalt für Höhlen- und Nischenbrüter zu erhöhen, wird die Zahl an künstlichen Nistplätzen erhöht. Im Fokus stehen dabei nicht nur die typischen Höhlenbrüter des Siedlungsraumes, sondern vor allem Nischen- und Gebäudebrüter und Arten mit besonderen Bedürfnissen wie die beiden Baumläuferarten. Bei Neubauten soll auf eine gebäudebrüterfreundliche Bauweise geachtet werden. Ähnlich wie Höhlenbrüter mangelt es Fledermäusen oft an geeigneten Rückzugsräumen als Tagesversteck oder Wochenstube. Über künstliche Angebote soll diese Dichte erhöht werden. Wie bei den Gebäudebrütern, soll bei Neubauten darauf geachtet werden Fledermäusen gezielt Lebensraum zu Verfügung zu stellen.

„Die tatsächliche Bedeutung der natürlichen Feinde lässt sich abschließend bisher nicht beurteilen. Zwar lassen sich in geöffneten Nestern oft zahlreiche Puppen der parasitären Insekten (z.B. Raupenfliegen) finden, allerdings setzt die Zunahme der Parasiten erst um einige Jahre versetzt zur Entwicklung des EPS ein, und sie können daher Massenvermehrungen nicht verhindern. Auch Pathogene können maßgeblich mitverantwortlich am Zusammenbruch der EPS Populationen sein“, so die Verantwortlichen.

Lektüre Empfehlungen zum Eichenprozessionsspinner

Das Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, informiert in einer Broschüre detailliert über die Lebensphasen der EPS: https://www.julius-kuehn.de/gf/eichenprozessionsspinner/

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