Immer mehr Störche entdecken das Münsterland für sich

Die Störche sind in diesem Jahr besonders früh wieder einflogen. Das hat vor allem mit einem veränderten Zugverhalten zu tun. „Flogen noch vor wenigen Jahrzehnten unsere Störche bis nach Westafrika in die Länder südlich der Sahelzone, überwintern sie jetzt vor allem in Spanien. Und in diesem Jahr sind viele besonders früh angekommen, sicherlich auch eine Folge des Klimawandels mit den zunehmend milderen Wintern“, erklärt Dr. Dirk Wewers, Kurator im Allwetterzoo Münster.

Seit einigen Jahren ist Münster eine Storchenhochburg in Nordrhein-Westfalen. „Mit den 52 Paaren, die im vergangenen Jahr auf dem Stadtgebiet genistet hatten, zählt Münster nach den

Kreisen Minden Lübbecke und Paderborn zu den storchenreichsten Kommunen in NRW“, so Michael Tillmann von der „Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch“. „Drei Viertel der Storchenpaare, nämlich 39 haben im Allwetterzoo gebrütet, 13 Paare immerhin auch außerhalb des Zoos. Und mit 116 ausgeflogenen Jungstörchen, davon 84 im Zoo, haben sie für das beste Storchenjahr seit Jahrzehnten gesorgt.“

Stetig wachsende Kolonie

„So erfreulich das vermehrte Storchenaufkommen auch ist: eigentlich haben wir kein Interesse an einem weiteren Anwachsen der Storchenkolonie im Zoo. Wir würden es lieber sehen, wenn sich noch mehr Paare in der Umgebung ansiedeln würden. Gerade das vermehrte Brüten der Störche in den Bäumen macht uns auch unter Sicherheitsgesichtspunkten Sorgen“, sagt Dirk Wewers, Kurator im Allwetterzoo Münster. 2015 wurde die Fütterung der Störche im Zoo komplett eingestellt, trotzdem sei die Kolonie weiter gewachsen, führt er weiter aus. „Auch wenn die Brutkolonie in Münster durch Fütterung entstanden ist, besteht kein Zweifel, dass die Störche mittlerweile ihren kompletten Nahrungsbedarf aus der freien Landschaft decken müssen und anscheinend auch können.“

Gelungener Artenschutz

Erstaunlich findet es Michael Tillmann noch immer, dass die Störche bezüglich ihres Nahrungsbedarfs mit der Agrarlandschaft in Münster und Umgebung so gut zurechtkommen. „Feuchtes Grünland, eigentlich das klassische Nahrungsrevier für Störche, gibt es ja kaum noch. Stattdessen suchen und finden sie auf den Äckern das, was sie für sich und die Jungenaufzucht brauchen: Regenwürmer, Großinsekten, Maulwürfe und vor allem auch Mäuse. Das vergangene Jahr war ein ausgesprochenes Mäusejahr und hat in erster Linie zu dem enorm guten Bruterfolg beigetragen.“ Aber damit habe der Storch auch seine Funktion als

Die inzwischen 23 Jahre alte französische Storchendame mit einem Ring der Vogelwarte Paris, die inzwischen seit über 15 Jahren ihrem Nest im Zoo treu ist. Fotoquelle: Michael Tillmann

Symbol für eine besonders naturnahe Landschaft verloren. „Wie verarmt die münsterländische Parklandschaft inzwischen ist, kann man daran sehen, dass es praktisch keine Feldlerchen mehr gibt; auch andere Vögel der Agralandschaft, wie zum Beispiel Goldammer und Kiebitz, haben katastrophal abgenommen.“

Neuankömmlinge und Dauergäste

Mit der wachsenden Storchenpopulation liegt Münster ganz im Trend der Entwicklung in Nordrhein Westfalen, ja sogar aller westdeutschen Bundesländer, wo Jahr für Jahr eine Steigerung der Storchenpopulation von zehn Prozent zu verzeichnen war. „Hatten wir 1990 insgesamt nur drei Paare in ganz NRW, waren es 2010 schon 54 und im vergangenen Jahr sogar über 400 Paare“, so Michael Tillmann.

Seit 20 Jahren beobachtet und dokumentiert Michael Tillmann das Storchengeschehen im Zoo und in der Umgebung Münsters. Spannend wird dies für ihn vor allem dadurch, dass ein Teil der hiesigen Störche beringt ist. „Mit Hilfe der Ringnummer erhalten wir Auskunft darüber, wo sie herkommen, wo sie im Vorjahr gebrütet oder auch überwintert haben. Und über die Ringe wissen wir auch, dass es mit der Partnertreue bei den Störchen nicht weit her ist. Störche sind in erster Linie ihrem Nest treu; und nur deswegen findet sich häufig ein Paar aus dem Vorjahr wieder auf dem gleichen Horst zusammen. Ein Beispiel nennt Michael Tillmann: „Eine französische Störchin hat hier im Zoo vor etlichen Jahren in drei Jahren hintereinander mit drei verschiedenen Männchen in drei verschiedenen Nestern gebrütet. Seit über 15 Jahren ist sie jetzt allerdings ihrem Nest treu. Weil die Männchen immer unberingt waren, können wir aber über die „Partnertreue“ nichts sagen.“

Unterstützen bei Zählung

Die Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch möchte den Storchenbestand landesweit erfassen. Da immer wieder einzelne Brutpaare unbekannt bleiben, bittet Michael Tillmann darum, nistende bzw. ein Nest bauende Storchenpaare ihm zu melden unter m-tillmann@muenster.de oder unter Telefon 01 77/ 9 18 18 19.

Kulturelle Bedeutung für den Menschen

In vielen Ländern gilt der Storch als Glücksbringer sowie als Anzeiger von Schwangerschaften, beziehungsweise als Bringer von Kindern. Dass die Störche Kinder bringen könnte damit zusammenhängen, dass sie ziemlich genau neun Monate nach der Sommer-Sonnenwende, bei deren Feiern es wohl häufig zu erhöhten sexuellen Aktivitäten - nicht notwendigerweise mit dem angetrauten Partner - kam, aus ihren Winterquartieren wieder in Europa eintreffen. Im Alten Testament gilt der Storch als unreines Tier, das nicht gegessen werden darf. Als Meister Adebar taucht er in der Poesie auf. Er ist Hauptperson oder hat eine tragende Rolle in etlichen Fabeln, Volks- oder Kunstmärchen, wie zum Beispiel in "Der Fuchs und der Storch" von Jean de La Fontaine, "Die beiden Wanderer" der Gebrüder Grimm, der "Geschichte vom Kalif Storch" des schwäbischen Dichters Wilhelm Hauff oder "Die Störche" von Hans Christian Andersen.

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