Der Anbau und die Weiterverarbeitung von Palmöl müssen nachhaltiger werden

Es läuft wie geschmiert, zumindest für die großen Produzenten und Händler. Zu wichtig ist Palmöl für eine Vielzahl von Produkten, die aus dem Alltag nur noch schwerlich wegzudenken sind. Deswegen sind sich viele Experten mittlerweile einig, dass kein Palmöl auch keine Lösung ist, nicht zuletzt weil der Mensch diesen Rohstoff bereits seit mehreren tausend Jahren als Nahrungsmittel nutzt. Und doch steht kaum ein Rohstoff mehr für die Ausbeutung und Zerstörung der Natur.

Eines der berühmtesten Tiere und zugleich einer der größten Verlierer rund um die Thematik Palmöl ist der Orang-Utan. Der Orang-Utan kommt heute nur noch auf den beiden indonesischen Inseln Borneo und Sumatra vor. Damit lebt der „Waldmensch“, so die Bedeutung des Namens im Malaiischen, in der Region, in der über 50 Prozent des Weltmarktanteils des Rohstoffes produziert werden. Gemeinsam mit Malaysia, dem zweitwichtigsten Produzenten, decken die beiden Länder rund 85 Prozent des weltweiten Palmölbedarfs. Die Anbauflächen in Malaysia und Indonesien haben sich in den letzten drei Jahrzehnte mehr als versechsfacht. Tendenz weiter steigend.

Grundsätzlich kein schlechtes Öl

 „Hier ist der Interessenkonflikt zwischen Mensch und Natur vorprogrammiert“, sagt Dr. Simone Schehka, EEP Vice-Koordinatorin (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) für Orang-Utans sowie Mitglied der internationalen Forschungsgruppe für Menschenaffen (Great Ape TAG). Die Kuratorin des Allwetterzoo Münsters hat im November 2019 am von der Deutschen Umwelthilfe organisierten Symposium „Marktdialog Nachhaltiges Palmöl“ teilgenommen. „Das Thema ist sehr komplex, da viele Stakeholder involviert sind. Eine reine schwarz-weiß-Sichtweise ist hier nicht hilfreich und für niemanden zielführend.“ Und doch, eine der wichtigsten Ursachen für den Verlust von tropischen

Primärwäldern ist die Ausdehnung der Anbauflächen von Palmöl-Plantagen. Dabei setzt die Abholzung nicht nur Kohlenstoff frei, sondern führt auch zum Verlust der Artenvielfalt und schmälert die lebenswichtigen Funktionen von Ökosystemen.

„Palmöl ist unterm Strich grundsätzlich kein schlechtes Öl. Mit der Palmölpflanze kann auf vergleichsweise geringer Fläche ein großer Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen gedeckt werden. So liegt der Ertrag pro Hektar für die Palme bei 3,8 Tonnen, mehr als Raps, Sonnenblume und Soja zusammen“, so die Kuratorin des Allwetterzoos, die betont, dass es auf das „Wie“ ankäme. „Der Anbau und auch die Weiterverarbeitung müssen anders werden, als sie heute größtenteils.“

Anbau muss nachhaltiger werden

Aktuell sind noch viele Produzenten des Pflanzenöls weit entfernt von einem für Umwelt, Tiere und Menschen verträglichen Anbau des Rohstoffes. Einen Mindeststandard für den nachhaltigen Anbau von Palmöl erarbeitet der Runde Tisch für Palmöl (RSPO). Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Öko- oder Bio-Label. Das Siegel signalisiert dem Verbraucher vielmehr, dass auf den Plantagen mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Immerhin ist inzwischen rund ein Fünftel der weltweiten Produktion RSPO-zertifiziert. Der RSPO ist eine gemeinnützige Organisation, der Interessenvertreter aus sieben Sektoren der Palmölindustrie und diverse NGOs angehören. Gemeinsames Ziel ist es, den Anbau von nachhaltigem Palmöl zu steigern. „Das ist ein wichtiger erster Schritt, der hier gemacht wird. Allerdings müssen noch viel mehr Unternehmen nachhaltiges Palmöl einfordern und damit in den Herkunftsländern ein ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliches Handel fördern“, so die Zoo-Kuratorin. Auch der Allwetterzoo Münster sieht sich hier in der Verantwortung und will zukünftig noch besser werden.

Jeder kann einen Beitrag leisten

„Wer erste Informationen zum nachhaltigen Konsum erhalten möchte, kann sich bei uns im Menschenaffenhaus die Ausstellung zum nachhaltigen Einkauf anschauen. Auch unser Engagement im Rahmen des EEPs zum Schutz der Orang-Utans hängt sehr eng mit dem Thema Palmöl zusammen“, sagt Simone Schehka.  Darüber hinaus kann aber jeder selbst beim nächsten Einkauf ein paar Minuten mehr einplanen, und sich mit den Inhaltsstoffen des Brotaufstriches fürs nächste Frühstück auseinanderzusetzen. „Bezüglich fair gehandeltem Kaffee und Kakao gibt es ja auch ein Umdenken, das sich nach und nach in den Köpfen etabliert. Das muss nun auch beim Thema Palmöl einsetzen.“ Auch kann jeder lokale Initiativen unterstützen, um zusammen mit Palmöl-Lieferanten die Umwelt besser zu schützen.

Dr. Simone Schehka, EEP Vice-Koordinatorin (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) für Orang-Utans sowie Mitglied der internationalen Forschungsgruppe für Menschenaffen (Great Ape TAG).

Zahlen, Daten, Fakten

Wer hätte gedacht, dass 38 Prozent der weltweiten Pflanzenölproduktion auf Palmöl und Palmkernöl entfallen, sie aber nur sieben Prozent der weltweiten Anbaufläche für die Pflanzenölgewinnung einnehmen. Insgesamt werden 62 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr produziert, wobei eine Ölpalme jedes Jahr rund 40 Kilogramm Palmöl liefert. Aus einem Hektar lassen sich somit durchschnittlich 3,8 Tonnen Öl jährlich gewinnen. Indonesien und Malaysia decken 85 Prozent des weltweiten Palmölbedarfs. Zudem ist Palmöl in vielen Ländern ein schwer zu ersetzendes Nahrungsmittel und bildet die Lebensgrundlage von Kleinbauern. In beiden Ländern leben zusammengenommen rund 4,5 Millionen Menschen von der Palmölherstellung. Mehr unter www.palmoilandfood.eu.

Auf dem Weg zu einer Alternative

Der Markt für Palmöl wächst kontinuierlich und könnte Prognosen nach im nächsten Jahr rund 93 Milliarden Dollar umsetzen. Wie mehrere Medien berichten, arbeitet nun ein Startup namens C 16 Biosciences an einer umweltfreundlichen Alternative. Die Firma verspricht, aus Lebensmittelabfällen und anderen industriellen Beiprodukten synthetisches Palmöl gewinnen zu können. Das Startup hat vor kurzem einen neuen Geldgeber gewinnen können, der nun die Forschung an dem synthetischen Palmöl vorantreiben möchte. Es handelt sich um das Investmentvehikel „Breakthrough Energy Ventures“. Hinter dem neuen Partner steckt eine Gruppe, die von dem Investor und Microsoft-Gründer Bill Gates angeführt wird. Weiter bekannte Namen sind unter anderem Jeff Bezos, Richard Branson, Jack Ma und Mark Zuckerberg. Die Investment-Regeln von „Breakthrough Energy Ventures“ sehen vor, dass nur Firmen unterstützt werden, die das Potential besitzen, mindestens 500 Millionen Tonnen CO2  im Jahr einzusparen. Aktuell seien Produktionskapazitäten des Startups auf zehn Kilogramm synthetisches Palmöl pro Woche begrenzt. Mit Unterstützung der neuen Investoren soll dieser Wert nun auf immerhin eine Tonne pro Woche gesteigert werden. Langfristiges Ziel ist es dann, die synthetische Version preislich günstiger als die natürliche Variante zu gestalten. Mehr unter www.c16bio.com.

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