Zuchterfolg bei den Seepferdchen im Allwetterzoo Münster

Wenn nicht in menschlicher Obhut, dann leben diese Tiere in den tropischen Zonen des Westatlantiks. Sie leben vorwiegend in Seegras- und Tangwiesen in Festlandnähe. Zwischen den Algen finden sie Halt auf der Suche nach Plankton.

Hippocampus reidi, so der zoologische Name, werden etwa 14 bis 18 Zentimeter groß und etwa zwei bis fünf Jahre alt. „An Langschnäuzigen Seepferdchen lassen sich einige charakteristische Merkmale von Seepferdchen beobachten: ein ausgeprägtes Sozialleben und Balzverhalten, die Fähigkeit willkürlich die Färbung zu beeinflussen und ein markantes Fressverhalten als Nahrungsspezialist“, erklärt Marcel Alaze, Kurator im Allwetterzoo Münster.

Bei vielen Seepferdchen, weltweit soll es zwischen bis zu 80 verschiedene Arten geben, bleiben die Partner während der gesamten Brutzeit zusammen. Jeden Morgen vollführen Männchen und Weibchen zur Begrüßung einen graziösen Tanz. Bei der Paarung legt das Weibchen die Eier in eine Bruttasche am Bauch des Männchens, aus der die 100 bis 250 voll entwickelten Jungtiere nach etwa zwei Wochen freigesetzt werden. Diese sind auf sich selbst gestellt und ernähren sich von winzigem Zooplankton. „Damit unsere Tiere gut versorgt und vor allem beobachtet werden können, behalten wir die Jungtiere bis zu acht Wochen in einem separaten Becken hinter den Kulissen. Wir hoffen aber, dass wir zum Ende des Aprils hin die Tiere in ein Aquarium setzen können, in das dann alle Besucher Einsicht nehmen können“, erklärt der Experte, warum aktuell nur adulte, also erwachsene Seepferdchen zu erleben sind.

Eine ganze Art ist bedroht

Seepferdchen im allgemeinen haben zwar nur sehr wenige Fressfeinde, da sie mit ihren Knochenplatten, Stacheln und vielen Gräten recht schwer zu verzehren sind. Doch sieht ihre Zukunft alles andere als rosig aus. So sind sie durch Übernutzung und Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet.

Auch Langschnauzen-Seepferdchen, wie die im Allwetterzoo Münster, zählen zu den bedrohten Arten. Vor allem die Überfischung und die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume reduzieren den Bestand dieser markanten Tiere dramatisch. Jahr für Jahr sterben über 20 Millionen Exemplare als Beifang in den Netzen der Shrimp-Industrie oder werden als Delikatesse in asiatischen Ländern gefangen. Besonders die Garnelen-Fischerei mit Grundschleppnetzen rasiert ganze Populationen der kleinen Tierchen als Beifang vom Meeresboden. Die Tiere, die Tortur des Fangs überleben, landen im illegalen Aquarienhandel. Obwohl es extrem schwierig ist, sie in Gefangenschaft zu halten, gehören die flinken Gesellen zu den Top-Ten der beispielsweise aus Florida exportierten Aquarienarten.

Handel trotz Verbote

Mitarbeiter des „Project Seahorse“ schätzen, dass jedes Jahr wenigstens 24 Millionen getrocknete Seepferdchen in den Welthandel kommen. In Asien verwendet man sie für medizinische Zwecke. „Da sollen sie gegen alles Mögliche helfen. Andernorts finden getrocknete Seepferdchen Verwendung als beliebte Urlaubs-Souvenirs“, so der Marcel Alaze weiter.

Obwohl der internationale Handel seit 2004 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) verboten ist, erzielen auch heute noch getrocknete Seepferdchen auf den Märkten in Bangkok oder Hongkong einen Kilopreis von 600 bis 3000 US-Dollar. Zusätzlich geschwächt werden die Bestände durch Zerstörung

und Vergiftung ihrer Lebensräume wie Mangrovenwälder oder Seegrasfelder.

Die IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) schätzt die meisten Arten als stark gefährdet (endangered) bis gefährdet (vulnerable) ein.

Start des Kampagnenjahres „whichfish.eu“

Die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) ist ein tiergärtnerischer Verband, dem etwa 300 Zoos, Aquarien und Zooverbände aus Europa und dem Nahen Osten angehören. Der Verein mit Sitz in Amsterdam ist Mitglied der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA). Die EAZA widmet jeweils ein oder zwei Jahre einer besonders bedrohten Tiergruppe oder einem bedrohten Lebensraum mit einer Artenschutz-Kampagne, die stets während der Jahrestagung im September gestartet wird. Zoo-Besucher werden dabei plakativ auf Artenschutz-Probleme aufmerksam gemacht und können Geld für ausgewählte Schutzprojekte spenden. Die aktuelle Kampagne „whichfish.eu“ stellt die Wechselwirkung von Mensch und Ozean in der Vordergrund und will aufzeigen, welchen negativen Einfluss der Mensch auf die vielfältigen aber fragilen Ökosysteme unter der Wasseroberfläche hat, zeigt zugleich aber auch Lösungsansätze, wie die maritime Biodiversität bestmöglich erhalten bleiben kann und was es dafür braucht.

Mehr auch unter whichfish.eu.

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