Kuratoren aus dem Allwetterzoo in Indonesien und Kambodscha

Initiiert von den Vereinten Nationen soll der Tag des Artenschutzes (United Nations World Wildlife Day) zum einen das öffentliche Bewusstsein für dieses Thema in den Vordergrund rücken, zum anderen an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES am 3. März 1973 erinnern. „Ein solcher Tag ist wichtig und richtig, auch wenn es längst nicht mehr reicht an nur einem Tag im Jahr das Thema auf der Agenda zu haben“, sagt Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz im Allwetterzoo Münster. So sei illegaler Tierhandel und Wilderei ein hochlukratives Geschäft und würde in einer Liga mit Drogen- und Waffenhandel spielen. „Mit dem Unterschied, dass die

Ein Weissschulteribis im ACCB in Kambodscha.

Strafen leider sehr viel geringer ausfallen. Unter anderem auch aus dem Grund, weil das öffentliche Interesse und damit der benötigte Druck auf Politik und Justiz zu gering ist.“

Weltweiter Artenschutz

Die zoologische Einrichtung an Münsters Aasee ist seit Jahrzehnten schon sehr aktiv beim Artenschutz. So haben die Kuratoren unter anderem die Federführung für diverse Europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEP). Kurator Marcel Alaze ist zum Beispiel für die EEPs des Lippenbäres und des Anoas zuständig. Letztere Tiere sind eine auf der indonesischen Insel Sulawesi endemische Rinderart, die sehr stark vom Aussterben bedroht ist. „Ich bin Anfang März, soweit der aktuelle Plan, im Anoa breeding Center in Manado wo ich das dortige Team im weiteren Aufbau der Station unterstütze und im Umgang mit den Tieren schule. Im Anschluss werde ich gemeinsam mit der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) Spezialist Group den Verantwortlichen über die Schutz- und Zuchtmaßnahmen zu sprechen. Ziel des Projekts ist es, Anoas zu züchten, auszuwildern und die Bevölkerung aufzuklären um den Lebensraum und die Tiere zu schützen“, erklärt der Kurator der hofft, dass ihm die aktuelle Corona-Epidemie keinen Strich durch die Reiseplanung macht. Warum er als EEP-Verantwortlicher mit Wildtieren zu tun hat? „Die große Herausforderung bei nur noch wenigen Tausend Tieren weltweit ist es eine genetisch gesunde Population in menschlicher Obhut sowie in der Natur aufrecht zu halten. Dazu ist es wichtig in-sito und ex-sito Artenschutz miteinander zu verbinden“, so Alaze, der die Reise in enger Abstimmung und Finanzierung durch den Leipziger Zoo antritt.

Ein eigenes Zentrum in Kambodscha

Auch der Artenschutzkurator Dr. Philipp Wagner, seit wenigen Tagen EEP Koordinator für sechs Schildkrötenarten, ist Anfang März in Sachen Artenschutz unterwegs. Genauer gesagt in Kambodscha. Denn dort unterhält der Allwetterzoo Münster ein eigenes Artenschutzzentrum, das ACCB („Angkor Centre for Conservation of Biodiversity“). „Unter anderem geht es bei meinem Besuch um die weitere strategische Ausrichtung der Anlage“, sagt Wagner. 791 Tiere, unterschieden in 47 Arten, leben derzeit in der Einrichtung in Kambodscha. „Darunter sind auch so seltene Arten wie der Weissschulteribis oder die Barttrappe. Von beiden Vogelarten gibt es keine 1000 Individuen. Auch diverse kritisch bedrohte Schildkröten finden hier eine Zuflucht.“

Ziel des ACCB ist es das Überleben der in Kambodscha heimischen Arten generell zu sichern. Falls möglich geschieht dies auch über Auswilderungen. „Das Problem ist, dass selbst wenn wir, zum Beispiel Schildkröten, in ausgewiesenen Naturschutzgebieten auswildern, wir sie binnen weniger Tage auf den lokalen Wochenmärkten wiederfinden“, beschreibt Wagner die Herausforderung. Deswegen würde es neben den Artenschutzrelevanten Projekten auch eines geben, dass gezielt auf die Bevölkerung zielt. So werden gezielt Multiplikatoren ausgebildet. „Für die Ausbildung buddhistische Mönche hat das ACCB in Kooperation mit der Welttierschutzgesellschaft ein Lehrbuch entwickelt. Ziel ist es, diese für dieses Thema zu begeistern, damit sie ihr Wissen und diese Begeisterung für Tier-, Natur- und Artenschutz in die Bevölkerung transportieren.“

Artenschutz zahlt sich aus

Eine aktuelle Studie vom Trinity College in Dublin untersuchte derweil, welche Faktoren die Beteiligung an solchen Projekten beeinflussen und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Wissenschaftsjournal "Nature Communications". Die Forscher konnten zeigen, dass es einen starken Zusammenhang zwischen den Besucherzahlen in Zoos und der Anzahl an geförderten Artenschutzprojekten gibt. Dafür werteten sie einen Datensatz von 119 Zoos aus, für die die entsprechenden Informationen vorlagen. Demnach ist der Einfluss sogar größer, als etwa die Größe des Zoos oder wie viele

Marcel Alaze und Dr. Philipp Wagner (r.) sind derzeit in Sachen Artenschutz unterwegs.

gefährdete Arten wirklich gezeigt werden. Selbst sozioökonomische Faktoren, wie unter anderem das Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes, haben demnach nur eine geringe Bedeutung zu haben.

„Auch wenn darauf verwiesen wird, dass streng evolutionshistorisch Arten immer wieder von der Bildfläche verschwinden und bei einer geschätzten Zahl zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Arten immer theoretisch genügend Vielfalt auf dem Planeten Erde gegeben ist, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch einen nicht zu leugnenden Anteil daran hat, dass viele Arten einem dramatischen Rückgang unterliegen“, sagen die Kuratoren des Allwetterzoo Münsters.

So sterben seit wenigen Jahrzehnte – weltweit gesehen – jedes Jahr rund 1000 Mal mehr Arten, tierische wie pflanzliche, als dies ohne das Wirken des Menschen der Fall sein würde. Vor diesem Hintergrund hat sich unter anderem der Allwetterzoo Münster, sowie viele andere zoologische Einrichtungen auch, die Bewahrung der verbliebenen Vielfalt an wildlebenden Tiere und Pflanzen sowie deren Lebensräume zum Ziel gesetzt.

Reisen verschoben

Wie sich am Montag, 2. März, herausstellte, mussten beide Kuratoren ihre Reisen kurzfristig absagen. Als Gründe gaben sie an, dass organisatorische Ereignisse vor Ort sowie der Coronavirus sie zur Verschiebung ihrer jeweiligen Reisen gezwungen haben. Dr. Philipp Wagner plant nun im März, gegebenenfalls schon ende April nach Kambodscha ins ACCB zu reisen.  Marcel Alace plant im Herbst nach Sulawesi zu fliegen.

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