Inventur im Zoo

Futtermittel, Schrauben, Besen oder auch Computermäuse: Einmal im Jahr wird im Allwetterzoo Münster eine Inventur durchgeführt. Dafür werden auch alle Tiere gezählt, und vereinzelt sogar gewogen. Am Ende kamen die fleißigen Zähler auf insgesamt 2516 Tiere, die sich auf 293 Arten aufteilen (Stand 31. Dezember 2019).

Besonders leicht hatten es die Zähler bei den syrischen Braunbären, den Halsbandpekaris sowie den Weißkopfsakis, da sie am Jahresende nicht mehr am Aasee lebten. Während letztere Gruppen geschlossen in andere Zoos in der Eifel und London abgegeben werden konnten, hat auch Braunbärin Laila im Tierpark Goldau in der Schweiz eine neue Heimat bekommen.

Ganz anders bei Milu und Junio, die beiden Großen Ameisenbären, die derzeit noch im ehemaligen Gehege der Halsband Pekaris leben, aber über lange Sicht eine Heimat in dem neuen Pantanal-Revier bekommen werden. „Es sind quasi die ersten Tiere, die wir bereits vor dem Bau des neuen Südamerikahauses bekommen haben“, erklärt Kurator Dr. Dirk Wewers.

Jedes Jahr aufs Neue

Das Zählen der Tiere ist mal leichter, mal schwerer. In einigen wenigen Fällen wird sogar gar nicht gezählt, sondern lediglich geschätzt. Das geschieht zum Beispiel bei den Guppy-Fischen, da sich diese viel zu schnell im Schwarm in ihrem Aquarium bewegen, was eine seriöse Zählung schier unmöglich macht. Oder auch die Seepferdchen, die nur millimetergroßen Nachwuchs haben. Bei anderen Tieren wird hingegen auf ein Zählen verzichtet. Ihre Anzahl ermitteln die Tierpfleger dadurch, dass sie lediglich die Jungtiere und verstorbenen Artgenossen über das Jahr dokumentieren. Ein solches Zählverfahren wird unter anderem bei den Zwerggleitbeutler angewendet, die im Löwenhaus leben.

Gewissenhaft gezählt wird indes bei den Affen, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Denn wie es dem Naturell der Affen entspricht, springen und klettern dieser gerne durcheinander und machen den Pflegern das Zählen somit alles – nur nicht leicht. Gut ist daher, dass die Inventur eigentlich nur eine Kontrolle der Buchführung ist. Denn selbstverständlich kennen die Pfleger ihre Tiere sehr gut und über Tierabgaben und Geburten wird das Jahr über genau Buch geführt.

Bei anderen Revieren, wie beispielsweise dem Tropenhaus, ist die Zählerei ein noch aufwendigerer Prozess. Daher werden schon Wochen vor dem Stichtag am 31. Dezember viele der tierischen und meistens gefiederten Bewohner gezählt. So leben in der großen Freiflughalle des Tropenhauses rund 130 tropische Vögel, die sich gerne im Pflanzendickicht aufhalten. Hinzu kommen noch Flughunde, die meist von den Bäumen oder der Decke hängen. Die besten Chancen, möglichst viele der Exoten auf der Liste abhaken zu können, bestehen übrigens bei der Fütterung.

Auch gezählt werden die Tiere, die für die Besucher nicht sichtbar sind, da sie hinter den Kulissen leben. Dazu gehören unter anderem der kurz vor der Ausrottung stehende Titikakafrosch oder auch der Dumeril Querzahnmolch, der zu den am stärksten bedrohten Amphibienarten gehört. Für beide Arten gibt es im Allwetterzoo ein ambitioniertes Zuchtprojekt, um diese und weitere selten gewordenen Tiere vor dem Aussterben zu retten.

Würden die Inventur auch die Tiere des Artenschutzzentrums des Allwetterzoos Münster miteinbeziehen, währen die Zahlen noch höher. Denn das ACCB (Angkor Centre for Conservation of Biodiversity), in der Nähe der berühmten Tempelanlagen von Angkor, ist nicht nur eines der ersten Naturschutzzentren Kambodschas, es ist auch eine Einrichtung des Allwetterzoos, der dort aktiven Artenschutz und Umweltbildung betreibt. „Aktuell leben im ACCB 47 Arten und 791 Tiere. Unter anderem das aktuelle Zootier des Jahres, der Beo, oder auch Weißschulteribisse, von denen es weltweit nur noch geschätzte 1000 Exemplare gibt“, so Kurator Dr. Philipp Wagner.

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