Erstmalig ziehen Rote Pandas in den Allwetterzoo Münster ein

Das Geschwisterpaar stammt aus dem Zoo Cholchester, England, wo die Tiere am 18. Juni 2019 geboren worden sind. Seit diesem Mai leben die beiden weibliche Roten Pandas in dem eigens für sie gebauten Gehege in Münster. „Bis vor wenigen Monaten war das, was heute ein modernes Gehege ist, nur ein dunkles, zugewuchertes Nichts. Es ist unglaublich, was hier geschaffen wurde“, ist Zoodirektorin Dr. Simone Schehka begeistert über das, was das Team bestehend aus Zootierpflegern, Handwerkern und Gärtnern in den vergangenen Monaten gebaut hat.

Es ist das erste Mal, dass der Allwetterzoo Münster Rote Pandas hält. Und die beiden Geschwister, die auf

die Namen Kamala und Kalaiya hören, lassen nicht nur die Herzen des Allwetterzoo-Teams höherschlagen. „Noch bevor wir das Gehege fertig, oder überhaupt groß verkündet hatten, dass wir diesen Tieren zukünftig eine Heimat geben werden, hatte sich schon die erste Person gemeldet, um eine Patenschaft zu übernehmen“, blickt Schehka zurück. „Es freut mich, dass wir die beiden Pandas ab sofort auch unseren Zoobesuchern zeigen können. Mal sehen, ob unsere Gäste genau so angetan von den beiden sind, wie unsere Mitarbeiter, die sie bereits hinter den Kulissen kennenlernen durften.“

Das Kleine Pandas, so werden Rote Pandas auch genannt, im Allwetterzoo Münster eine neue Heimat gefunden haben, ist unter anderem dem Zooverein Münster zu verdanken. Er war es, der das Projekt mit 50.000 Euro unterstützte. „Es sind zwei Dinge, über die ich mich heute ganz besonders freue“, sagt Helge Peters, 1. Vorsitzender des Zoovereins. „Da sind auf der einen Seite die beiden kleinen Pandas. Auf der anderen Seite, da stehen Sie. Die vielen Menschen der Zoobelegschaft, von denen zahlreiche hier und heute anwesend sind“, richtet er sein Wort an die Zootierpfleger, Handwerker und Gärtner. „Ohne Sie, Ihr Engagement, Ihre Expertise sowie Ihr mehr als vorbildliches Verhalten während der gesamten Coronapandemie, würden wir hier und heute nicht stehen.“

Komplett neu gebautes Gehege

Helge Peters, 1. Vorsitzender des Zoovereins Münster, nimmt die Gedenktafel von Dr. Simone Schehka entgegen. Der Zooverein hat den Bau der Pandaanlage mit 50.000 Euro unterstützt.

Die neue Anlage ist über 105 Quadratmeter groß und bietet den Pandas unterschiedliche Kletterstrukturen und Liegeflächen. Die Geschwister können sich bei Bedarf in eine große frostfreie Stallung sowie verschiedene Schlafboxen zurückziehen. Zudem bietet der natürliche Pflanzenbestand ausreichend Deckung für die Tiere. Ein Teich und verschiedene Futterplätze sorgen für Abwechslung. „Die Anlage bietet durch einen erhöhten Besucherantritt die Möglichkeit, die Tiere direkt auf Augenhöhe zu beobachten. Auf der anderen Seite können die Tiere über eine große offene Einsicht beobachtet werden“, sagt die Zoodirektorin. „Ein Fenster

gibt den Besuchern zusätzlich die Möglichkeit, die Tiere im Innenstall zu beobachten. Eine naturnahe Optik und Bepflanzungen runden den Gesamteindruck der Anlage ab.“

Rote Pandas wiegen rund fünf Kilogramm. Die Tiere können bis zu 15 Jahre alt werden. Ihr Lebensraum erstreckt sich von Nepal, über Bhutan bis nach Indien. Zudem kommen sie im nördlichen Myanmar, im südlichen China sowie im südöstlichen Tibet vor. Anders als ihr Namensvetter, der Riesenpanda, besteht die Nahrung der Kleinen Pandas nicht zu 99 Prozent aus Bambussprossen. „Die kleinen Bären fressen auch Gräser, Früchte, Beeren, Blüten, Wurzeln und Flechten – je nach Verfügbarkeit. In geringem Umfang werden sogar Wirbellose, Kleinnager, Jungvögel und Vogeleier gefressen“, erklärt Marcel Alaze, Senior-Kurator im Allwetterzoo Münster.

Wer will eine Familienjahreskarte gewinnen?

Um den Gästen des Allwetterzoos die neuen Bewohner näher zu bringen, wird es ab Donnerstag, den 13. Mai (Christi Himmelfahrt), für eine Woche eine ganz besondere Zoo-Rally geben. Vorbei an vielen anderen Bewohnern des Allwetterzoos geht es dann zum neuen Pandagehege. Alle Teilnehmer, die das richtige Lösungswort einreichen, haben dann die Chance auf eine Familienjahreskarte. Alles Weitere steht auf den Unterlagen, die es beim Zoobesuch im Eingangsbereich der Kassen gibt.  

Die Kleine Bären-Katze

Lange Zeit war die systematische Zuordnung des Roten Panda ungeklärt. Zwar gehört er eindeutig zu den Raubtieren, zeigt aber auch im Gebiss deutliche Anpassungen an pflanzliche Nahrung. Heute gilt er als einziger Vertreter der so genannten Katzenbären. Der Name Katzenbär hat aber auch noch einen weiteren Hintergrund, wie ein Vergleich mit den im Allwetterzoo benachbarten Geparden zeigt. "Wie andere Katzen auch, putzen sich Geparde, indem sie sich mit der Zunge ablecken. So putzt sich auch der Rote Panda", sagt Alaze und führt aus, dass dieses Verhalten ihnen auch den Namen Katzenbär, beziehgnsweise Kleine Bären-Katze, eingebracht hat.

Eine bedrohte Art

Der Rote Panda ist auf der „Roten Liste bedrohter Tierarten“ als stark gefährdet eingestuft. Sein Bestand ist innerhalb der letzten 20 Jahre um mehr als die Hälfte geschrumpft. Im Freiland leben weniger als 10.000 Tiere – mit weiter abnehmender Tendenz.

Die Hauptgefährdung der Rote Pandas vor Ort ist der Verlust und die Zerstückelung seines Lebensraumes. Diese Fragmentierung geschieht in erster Linie durch die Abholzung der Bergwälder für Ackerflächen, Feuerholz, Baumaterialien und -projekte wie zum Beispiel neue Staudämme. Zudem wird der Lebensraum der kleinen Pandas zunehmend von Straßen durchschnitten. Somit wird der Austausch der verschiedenen Panda-Populationen immer schwieriger. Das hat Inzucht und eine besondere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten zur Folge. Eine weitere Bedrohung des Panda-Bestandes stellt die illegale Wilderei dar.

Gemeinsam für den Arterhalt

Um die globale Population zu stärken, gibt es für den Roten Panda ein EAZA Ex-sito Programm (EEP), früher Europäische Erhaltungszuchtprogramme. Koordiniert wird es vom Zoo Blijdorp in Rotterdam. Wie bei allen anderen EEPs auch, ist es das Ziel, innerhalb der europäischen Zoos, gesunde und stabile Populationen dieser Tierart aufzubauen und zu erhalten. Dabei gibt der Zuchtbuchkoordinator Zucht- und Transferempfehlungen, um die Population in menschlicher Obhut genetisch gesund zu halten. Im Rahmen des EPPs hat sich die Anzahl des Roten Pandas in europäischen Zoos in den Jahren 2012 bis 2020 von 276 auf 416 Pandas erhöht.

Neben der Arbeit zum Schutz der Roten Pandas in zoologischen Einrichtungen, gibt es ergänzend das Naturschutzprojekt „Red Panda Network“. Es wurde 2007 zum Schutz der freilebenden Rote Pandas und ihres natürlichen Lebensraumes in Nepal ins Leben gerufen. Grundpfeiler des Projektes sind unter anderem die Verhaltensforschung, die Überwachung des Roten Pandas in eingerichteten Schutzgebieten, die Aufforstung von Wäldern sowie die Einbindung der lokalen Bevölkerung durch Bildungs- und Aufklärungsarbeit.

„Red Panda Network“ und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm haben gemeinsam das „Red Panda-EEP-Forest Guardian-Programm“ ins Leben gerufen. Ziel des Programms ist es, ein zusammenhängendes Schutzgebiet im Osten Nepals zu schaffen. Dafür werden lokale Ranger, sogenannte Waldwächter, geschult. Nach der Ausbildung helfen sie die Schutzgebiete zu überwachen. Zudem werden sie aktiv in örtliche Bildungsarbeit integriert, um über die Bedeutung des Schutzes des Roten Pandas und ihres Lebensraums aufzuklären.