Blick hinter die Zookulissen: Tropenhaus und Quarantäne
Reinhold Evels fährt jeden Tag mit dem Fahrrad in die Tropen und lässt es dort erst einmal kräftig regnen. Das ist nur eine von den zahlreichen Aufgaben, mit denen der Arbeitstag im Revier 3 des Allwetterzoos beginnt. Gemeinsam mit den Kollegen Petra Wittmund und Shane Coleman sorgt Revierleiter Evels unter anderem für die vielen exotischen Bewohner der Tropenhalle und der Terrarien.
Gleich morgens - die Indischen Flughunde haben sich längst zum Schlafen unters Dach gehängt - werden Mehlwürmer verstreut, damit sich die große Vogelgesellschaft zum kurzen Überblick einstellt. Während ein Pfleger bei den hochsensiblen Weißkopfsakis für Ordnung sorgt, schnippeln die anderen Obst, säubern die Halle, harken Sand.
Dann werden verschiedene Anlagen kontrolliert: Wie sehen die Filter im Koi-Teich aus? Muss bei den Kaimanen das Wasser gewechselt werden? Was machen die Tigerphytons? So eine Würgeschlange hat aufgrund ihres Fressverhaltens zwar nicht oft Verdauung, aber wenn, dann richtig. In dem Fall heißt es, Nase zu und durch!
Nach dem Frühstück verschwinden die Pfleger hinter vielen verschiedenen Türen. Zum Technikraum etwa, damit bei Leguan, Echse und Co. überall Wärme, Licht und Luftfeuchtigkeit stimmen. Vorbei an dicken Rohren mit Messgeräten geht es zur Kontrolle der Wasseraufbereitungsanlage, die u. a. Kalkablagerungen auf den Pflanzen verhindert. Hinter einer Schuppentür wartet Kaninchen "Luis" auf Streicheleinheiten von der Auszubildenden Julia Hoppe. Der Widder-Riese hatte Glück. "Wir haben es nicht übers Herz gebracht, ihn den Schlangen zu servieren", erklärt Reinhold Evels. Die Futtertierpflege gehört ebenfalls zu den vielfältigen Arbeiten im Tropenhaus. Und auch bei Heuschrecken oder Grillen wird auf Sauberkeit und vitaminreiche Kost geachtet. Sonst hätten sie wenig Nährwert. Die Insekten werden im warmen Technik-Raum gehalten, zusammen mit einem Regal voller Eimer verschiedenster Körnermischungen für all die Schnäbel in der Tropenhalle. Viele Tiere werden übrigens viermal am Tag in kleinen Portionen gefüttert, damit sie Beschäftigung haben.

Nachmittags steht für das Tropenhaus-Team die Pflege von Aras und Erdmännchen, den Schildkröten in Außenterrarien sowie der Buntmarder auf dem Plan. Was die aus Sibirien stammenden Marder mit den Tropen zu tun haben? "Die kamen nach ihrer Ankunft zunächst in die Quarantäne, und dann mochten wir die nicht wieder hergeben", schmunzelt Reinhold Evels. Marder-Mädchen "Baika" hat ihn schon gehört und bekommt ein Leckerchen, bevor das Gehege gereinigt wird. Die Erdmännchen, die im April 2008 aus ihrer alten Anlage am Tropenhaus zu den Nashörnern umgezogen sind, gehören auch weiterhin zum Revier 3. Das neue Zuhause hat den "Scharrtieren" viel mehr Sand zum Buddeln beschert und den Besuchern tolle Einblicke durch große Glasscheiben - aber die müssen von den Pflegern gereinigt werden.

Weiter geht die Arbeit in der Quarantäne-Station hinter den Kulissen. Im Allwetterzoo geschlüpfte Bali-Stare flattern in einer Voliere, kleine Schildkröten wachsen in warmen Terrarien heran und das Zuchtpaar der Buntmarder hat hier ein störungsfreies Domizil. In der Quarantäne werden Tiere untergebracht, die z.B. im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms in andere Zoos kommen, aber auch Tiere, die aus verschiedenen Gründen isoliert werden müssen oder zu betreuender Nachwuchs. Ob bei Erdmännchen, Pythons oder Münsterschen Wieselmeerschweinchen - das Scheibenputzen gerät vor allem beim Besucherandrang im Sommer zur Dauerbeschäftigung im Revier 3. Ob dafür im Winter mehr Ruhe ist? "Wie man's nimmt", “Medea“ und Reinhold Evels: Ein besonderes Erlebnis für behinderte Kinder meint der Revierleiter gelassen, "sofern keine Umgestaltung von Terrarien ansteht." So wie für Streichelpython "Medea". Die in Münster aus dem Ei geschlüpfte Schlange lebt in einem für Besucher nicht einsehbaren Raum und entwächst allmählich diesem Domizil…
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