Blick hinter die Zookulissen: Bären, Robben, Pinguine
Die Tierpfleger im Revier II schauen wohl von allen Tierpflegern am meisten auf die Uhr. Nicht, weil sie besonders gern Feierabend machen, sondern weil im Revier „Bären, Robben, Pinguine“ die Arbeit viele Bereiche beinhaltet, die klassische Publikumsmagneten sind. Fütterungen, Robbentraining und Pinguinmarsch müssen zu festen Zeiten präsentiert werden. Im Sommer können da am Tag schon einmal acht „Showzeiten“ zusammenkommen.
Dazu muss man noch wissen, dass das Tierhaus mit
Malaienbären, Syrischen Braunbären und Nasenbären eine gute Strecke von den Becken der Kegelrobben und Pinguine entfernt ist. Mit dem Fahrrad geht es mehrmals am Tag über die Zoobrücke hin und her. Damit nicht genug: Noch zwei weitere Unterkünfte sind zu betreuen. Eines beherbergt die Nasenbären-Männchen, die von den Weibchen nur zur Paarungszeit geduldet werden, das andere die Pinguin-„Kinderstube“. In der Natur reagieren Pinguine nur auf lebende Beute, im Zoo müssen sie das Fressen toter Fische lernen. Die Jungvögel, die das selbstständige Fressen bereits erlernt haben, bewohnen vorübergehend eine Voliere neben der Watvogelanlage, bevor sie in die Pinguin-Kolonie zurückkehren.
Kein Wunder also, dass Reviertierpfleger Peter Vollbracht und seine Kollegin Steffi Klahn morgens im Bärenhaus den Arbeitstag zwischen den Vorführungen minutiös planen. Wer füttert schon einmal die Pinguin-Eltern, wer holt die Nasenbären per Pfiff zum Durchzählen? Wenn einer fehlt, geht´s auf die Außenanlage, um den Säumigen zu suchen. Nach der Reinigung der Innengehege und der Bereiche der ebenfalls im Bärenhaus lebenden Wildmeerschweinchen und Zwergmäuse wird das gelieferte Gemüse und Obst portioniert. All zu viel Fleisch und Fisch gibt es nicht für die Bären, das entspricht den natürlichen Gegebenheiten.
Ein Blick in die „Wirtschaftsräume“ bei den Kegelrobben und Brillenpinguinen zeigt Peter Vollbracht und Steffi Klahn wenig später beim Präparieren der Futterfische mit Tabletten: Stück für Stück aufschneiden und hinein mit den Pillen. Einmal pro Woche gibt es Hormongaben für die Robbendamen, damit kein unerwünschter Nachwuchs kommt. Zwei bis dreimal wöchentlich reichern Vitaminpräparate die Futterfische für die schwarz-weiße Pinguingesellschaft an. Zur Brutzeit werden die Gelege der Pinguine kontrolliert. Wo die Besucher von vorne Höhlen sehen, lässt sich die Rückwand von hinten öffnen, damit die Pfleger an die Nester gelangen. „Brutsaison“ ist im August/September und ein zweites Mal im Dezember/Januar. Zwei Monate nach dem Schlüpfen ziehen die Kleinen ins Innere der Pinguinanlage um. Dann sind die Pfleger gefordert, sie müssen mit den Jungpinguinen täglich Fisch futtern trainieren: Vogel vorsichtig zwischen die Knie geklemmt, gut zureden, Fisch in den Schnabel bugsieren und … na siehst du wohl, so wird man satt. Engelsgeduld ist unerlässlich.
Jeden Freitag ist Großreinemachen im ausgeleerten Robbenbecken, das Pinguinbecken wird donnerstags gereinigt. Viele Arbeiten stehen täglich auf dem Programm: Jede Menge Futtereimer schrubben, Fischblöcke aus der Tiefkühlung holen, sich gegenseitig beim Robbentraining korrigieren, für die Bären Streufutter auswerfen, die Anlage der Malaienbären mit Duftspuren interessanter machen oder im Sommer Eisbomben für die Braunbären herstellen. Die Pfleger erfinden immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bären, beispielsweise in Form von Verstecken für Leckereien. Langweilig wird die Arbeit nie, und wenn das Team Videos guckt, dann ist auch das dienstlich. Eine Überwachungskamera hält fest, ob Malaienbärin Josefine in der Nacht die für Besucher nicht einsehbare Geburtsbox aufgesucht hat.
Nach der Bärenfütterung um 16.15 Uhr werden noch die Außenanlagen gesäubert. Hier gilt höchste Konzentration, denn die Türschieber im Bärengehege zu schließen, vergisst man mit Sicherheit nur einmal im Leben. Um 17 Uhr ist Feierabend in Revier II: Über Nacht taut der Futterfisch-Eisblock für den nächsten Tag schon vor sich hin...
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