Wechselwarme Tiere


Säugetiere und Vögel leisten sich einen besonderen „Luxus“: Sie verwenden einen großen Teil der Energie, die sie mit der Nahrung aufnehmen, für die Erhaltung einer gleich bleibend hohen Körpertemperatur. Deshalb werden sie als gleichwarm oder endotherm bezeichnet – im Gegensatz zu den Tieren, die diese Fähigkeit nicht besitzen. Die bekanntesten wechselwarmen oder ektothermen Tiere sind Einzeller, Würmer, Schnecken, Krebse, Spinnentiere, Insekten, Fische, Amphibien und Reptilien. Ihre Körpertemperatur ist abhängig von der Umgebungstemperatur und schwankt deshalb erheblich. Einen großen Teil ihrer Körperwärme beziehen diese Tiere aus äußeren Quellen wie zum Beispiel dem Sonnenlicht.

 

Chilevogelspinne Stabheuschrecken

 

Wechselwarme Tiere haben zwar eine von der Umgebung abhängige und damit stark schwankende Eigentemperatur, benötigen aber dennoch für verschiedene Lebensfunktionen die jeweils passende Körperwärme. Wann sie nun welche Temperatur benötigen, hängt dabei von vielen verschiedenen Faktoren wie Alter, Jahres- oder Tageszeiten ab. Zum Beispiel reifen die Eier von Reptilien nur unter ganz bestimmten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. Auch das Geschlecht ihrer Embryonen wird - anders als bei Säugetieren - bei vielen Arten in Abhängigkeit von der Bruttemperatur festgelegt. Während bei einer Bruttemperatur von 30°C aus den Eiern der Unechten Karettschildkröte gleich viele Männchen und Weibchen schlüpfen, gibt es bei 32°C nur weiblichen, bei 28°C nur männlichen Nachwuchs.

 

Einsiedlerkrebs Zebra-Flusskrebs

 

Die Larven von Amphibien haben andere Ansprüche an das Mikroklima als erwachsene Tiere und viele Insektenlarven benötigen im Puppenstadium eine Kälteperiode für ihre normale Entwicklung. Beim Verdauen gilt ein anderes Temperaturoptimum als bei der Jagd und wiederum ein anderes für die Ruhephasen. Abhängig von ihrem ursprünglichen Lebensraum benötigen manche Arten eine Winterruhe, viele Wüstentiere zusätzlich eine Sommerruhe, andere nichts von alledem. Und während die eine Art an Temperaturen von 50°C angepasst ist, würde eine andere unter solchen Bedingungen sterben.

 

Dreifarbenbaumsteiger mit Laich Blauer Pfeilgiftfrosch

 

Aus diesen wenigen Beispielen wird klar: Zur Haltung von wechselwarmen Tieren gehört neben Know-how sehr viel Technik. Ihre vielfältigen „Sonderwünsche“ stellen eine echte Herausforderung für die Tierpfleger dar. So muss die Temperatur in Aquarien und Terrarien an die jeweiligen Bewohner angepasst werden. Für einheimische Fische wird sie mit einem Kühlaggregat unter 20°C gehalten. Dagegen darf das Aquarium für Fische aus dem Amazonas nie unter 24°C abkühlen. Bei den Vieraugen muss die Wassertemperatur sogar variiert werden, da diese Fische bestimmte Temperaturunterschiede als Auslöser für die Paarung benötigen. Die afrikanischen Siedleragamen brauchen am Tage 30°C Wärme, nachts 10°C weniger. Zusätzlich benötigen diese Reptilien einen Platz, an dem es 50°C heiß ist. Derartige Temperaturschwankungen würden tropischen Arten wie den Basilisken dagegen sehr schlecht bekommen.

 

Axolotl Zagrosmolch

 

Je nach Lebensraum brauchen Tiere auch unterschiedlich viel Licht: Wüstenechsen in Terrarien benötigen drei Stunden am Tag UV-Bestrahlung, tropische Echsen hingegen nur zehn Minuten. Auch die Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit sind verschieden: der Dunkle Tigerpython braucht 80-90%, der Stachelschwanzwaran nur 25%. Letzterer benötigt dafür feuchte Bodenschichten, in denen relativ konstante Temperaturen von unter 33°C eingehalten werden, während er sich an der Oberfläche bei rund 40°C erst richtig wohl fühlt. Ebenso muss der Salzgehalt im Wasser je nach Herkunft der Tiere variiert werden; denn die richtige Salzkonzentration ist oftmals Voraussetzung für eine erfolgreiche Fortpflanzung.

 

Dreihornchamäleon Achatschnecken

 

Die Schlussfolgerung, dass wechselwarme Tiere den äußeren Bedingungen hilflos ausgesetzt sind, ist allerdings falsch. Im Laufe der Evolution haben die Tiere verschiedene Mechanismen gegen äußere Widrigkeiten entwickelt. Fische passen ihre Atemfrequenz und die Schwimmgeschwindigkeit an die Wassertemperatur an und regulieren so bei Unterschieden von mehreren Grad Celsius ihren Stoffwechsel. Viele Echsen können ihre Pigmentierung, also die Hautfarbe, in Abhängigkeit von der Temperatur verändern: Sie werden dunkel, wenn sie Wärme benötigen, und hell, um möglichst viel der Sonneneinstrahlung zu reflektieren. Schnecken kapseln sich ein, wenn sie durch Austrocknung bedroht sind. Pythons erzeugen durch Muskelkontraktionen Wärme, mit der sie ihre Eier bebrüten, und Bienen können erst abheben, wenn sie ihre Flugmuskulatur durch Muskelzittern auf fast 40°C aufgeheizt haben.

 


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