Vögel
Der
Allwetterzoo beherbergt knapp 90 Vogelarten. Eine Vielzahl der gefiederten
Bewohner lebt im oder am Tropenhaus und in der Watvogelanlage sowie
auf Wiesen und an Teichen im Zoogelände. Brahma-Hühner tummeln sich
auf der Streichelwiese unseres Kinder- und Pferdeparks. Das Afrikapanorama
beherbergt neben Huftieren auch Helmperlhühner, Kronenkraniche
und Blauhalsstrauße, auf einer Insel davor leben
Krauskopfpelikane. Die Brillenpinguine bilden eine
kopfstarke Kolonie. Und Vögel gibt es sogar im Elefantenhaus. Nicht
zu vergessen sind die zahllosen gefiederten Gäste, deren Zahl vor
allem im Winter hoch ist. Regelmäßig finden sich an den Futternäpfen
im Zoo nicht nur Spatzen, Möwen und Dohlen, sondern beispielsweise
auch Graureiher, Kormorane, Streifengänse und Teichhühner ein. Selbst
die seltenen Eisvögel können im Bereich von Gewässern beobachtet werden.
Unterschiedliche
Vögel bewohnen in der Nähe des Eingangsbereichs, gleich hinter der
BioCity, eine für Besucher begehbare Anlage. Durch niedrige Holztüren
gelangt man an die Teiche und einen ins Wasser hineinragenden Steg.
Mitten durch das Gelände windet sich ein schmaler Pfad. Hier haben
australische Trauerschwäne ein idyllisches und ruhiges
Zuhause. Auf den Teichen können Eider-, Braut-
und Kolbenenten beobachtet werden. Kaiser-
und Rothalsgänse bevölkern eine Wiese zwischen Bären-
und Tropenhaus. Schwarzstörche leben und brüten ebenfalls
in dieser Anlage. Die seltenen dunklen Verwandten der bekannteren
Weißstörche sind auch in deutschen Wäldern noch vereinzelt anzutreffen.
Sie gelten als extreme "Kulturflüchter" und bevorzugen einsame
Gegenden.
Die
Zahl der im Allwetterzoo brütenden Weißstörche ist über die Jahre
kontinuierlich angestiegen. 1997 war es nur ein Horst auf einer alten
Eiche neben dem heutigen Pferdemuseum. Im Jahr 2008 errichteten bereits
dreizehn (!) Paare ihre Horste an unterschiedlichen Stellen im Zoo.
Allein auf der Großflugvoliere brüteten sechs Storchenpaare. Einige
dieser Vögel kamen von weither nach Münster. Sie tragen Ringe der
Vogelwarten Paris, Sempach/Schweiz oder Arnhem/NL. Etliche Weißstörche
aber sind unberingt - vielleicht ist der eine oder andere von ihnen
in seinen "Heimatzoo" zurück gekehrt? Im Rekordjahr 2007
beispielsweise brachen 22 im Allwetterzoo geschlüpfte Jungstörche
gen Afrika auf. Doch manche der Freiflieger ersparen sich schon seit
langem die weite Reise und überwintern im Zoo. Die Störche verlassen
sich auf das hier stets reichliche Nahrungsangebot.
Hinter
der BioCity befinden sich separate Zuchtvolieren
für Hornraben, Bartkäuze und Weißkopfseeadler. Letztere
gehören zu den größten und eindrucksvollsten Greifvögeln. Sie gelten
als stark bedroht und sind heute streng geschützt. Neben der Jagd
und dem Verlust ihrer Lebensräume wurde dem Wappentier der USA der
Einsatz hochgiftiger Schädlingsbekämpfungsmittel in den 60er Jahren
zum Verhängnis. Mit der Aufnahme belasteter Beutetiere reicherten
sich die Giftstoffe in ihren Körpern an und beeinträchtigten ihren
Gesundheitszustand. Das Zuchtpaar im Allwetterzoo zog 2004 erstmals
ein Junges groß. Seitdem sorgt es regelmäßig für Nachwuchs. Die Bartkäuze
als einzige Vertreter der Eulen im Allwetterzoo haben sich im Mai
2008 erstmalig erfolgreich vermehrt. Um die Kaffern-Hornraben
zur Zucht zu bewegen, wurde ihr warmer Winterstall 2008 umgebaut und
vergrößert.
Eine
kleinere Freianlage neben dem Tropenhaus beherbergt die durch ihren
roten Schopf auffallenden Mandschurenkraniche. Diese
mit rund 1,50 Meter sehr großen Stelzvögel stammen aus Ostasien und
zählen zu den besonders bedrohten Kranicharten. Ostafrika ist die
ursprüngliche Heimat der nur etwa einen Meter großen Kronenkraniche,
die an ihrer goldgelben Federkrone leicht zu erkennen sind. Nur in
der warmen Jahreszeit bewohnen sie neben Zebras oder Antilopen unser
Afrikapanorama. Ein bei den Kranichen weit verbreitetes Ritual ist
der Tanz in der Balz- und Paarungszeit.
Chilenische
Flamingos in einer kopfstarken Kolonie lassen sich in ihrer
im Jahr 2006 fertig gestellten Anlage in der Nähe des "Elefantenhügels"
gut beobachten. Die rosafarbenen Stelzvögel sind zwar monogam, brauchen
aber viele andere Paare um sich herum, damit sie in Fortpflanzungs-Stimmung
kommen. Als "Nest" errichten sie von Jahr zu Jahr höher
werdende Schlammkegel, in deren Mitte das Weibchen ein einzelnes Ei
legt. Beide Partner bebrüten abwechselnd ihr Gelege. Chile-Flamingos
kommen in ihrer südamerikanischen Heimat bis in 4.500 m Höhe vor.
Sie sind daher an große Kälte gewöhnt und auch in Münster fast immer
draußen anzutreffen - selbst bei Frost und Schnee. Doch sie haben
die Möglichkeit, sich in einen geschützten Winterraum zurückzuziehen.
In
unserer Großflugvoliere, einer der größten Freifluganlagen Europas,
leben Mönchsgeier, Gänsegeier und afrikanische Sekretäre miteinander
vergesellschaftet. Der Sekretär verdankt seinen Namen
den auffallenden Federn am Hinterkopf. Sie erinnern an die Federkiele,
die von den Stadtschreibern vergangener Zeit hinter den Ohren getragen
wurden. Die Vögel sind langbeinig wie Stelzvögel, doch gelten sie
zoologisch als Greifvögel. Sie bewohnen Savannenlandschaften in Ost-
und Zentralafrika und ernähren sich von Schlangen, Amphibien, kleinen
Wirbeltieren und sogar anderen Vögel. Sekretäre leben paarweise. In
der Balz beeindruckt das Männchen mit einem wellenförmigen Flug. Anschließend
jagt es das Weibchen vor sich her und führt auf dem Boden einen Paarungstanz
durch.
Mönchsgeier
sind in Zentralasien und im Süden Europas verbreitet. Sie gelten als
"potentiell bedroht". Vor allem in Europa sind diese Geier
selten geworden oder bereits ganz verschwunden. In einigen Gebieten
erholten sich die Bestände durch Wiederansiedelungen. Auch mehrere
in Münster geschlüpfte Jungvögel wurden in den südfranzösischen Cevennen
ausgewildert. Sie haben sich inzwischen erfolgreich vermehrt. Geier
ernähren sich von Aas. Sie haben ein hervorragenden Sehvermögen und
können Kadaver noch aus einigen tausend Metern Höhe erkennen. Weil
sie tote Tiere und Unrat beseitigen, gelten Geier vielerorts auch
heute noch als "Gesundheitspolizisten".
Gänsegeier
sind gesellige Tiere, deshalb leben sie auch im Allwetterzoo in einer
Kolonie von etwa 10 Tieren. Ihr Vorkommen ist überall in Europa möglich,
ursprünglich sind sie jedoch Gebirgsvögel. Zur Brutzeit nisten Gänsegeier
in Höhlen oder Felsnischen. Auch in der künstlichen Felswand in unserer
Großflugvoliere wurden bereits mehrfach Geier aufgezogen. Alle europäischen
Geier haben kein leichtes Leben: Ihnen werden Giftköder zur Fuchs-
oder Wolfsbekämpfung zum Verhängnis und es gibt kaum noch störungsfreie
Brutgebiete. Zudem werden aus Hygienegründen Tierkadaver schnell beseitigt
und damit den Geiern die Nahrungsgrundlage entzogen.
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Panorama-Blick - Großflugvoliere 1
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Panorama-Blick - Flamingos 1
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