Geparde


JunggepardNachzuchten bei Geparden sind immer noch eine große Ausnahme in den Zoologischen Gärten. Die Tiere zur Fortpflanzung zu bringen, gilt im Vergleich zu anderen Katzenarten als schwierig. Im Allwetterzoo scheint die insgesamt 7.500 m² große Anlage gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht zu bieten, denn hier kamen schon mehrfach Geparde auf die Welt. Die Größe der Anlage ermöglicht es zudem, das schnellste Lauftier der Welt bei bester Kondition zu halten. Der Gepard kann in nur 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h pro Stunde hält er jedoch nur etwa 300 m weit durch.

Der Allwetterzoo kann auf eine lange Tradition in der Gepardzucht zurückblicken: Den ersten, damals als Sensation betrachteten Nachwuchs gab es bereits 1975, es war die erste natürliche Aufzucht zumindest in der Bundesrepublik. Seitdem wuchsen hier mit Unterbrechungen immer wieder junge Geparde auf. Bis 2008 wurden insgesamt 47 Geburten verzeichnet! Ein Großteil der Jungen konnte erfolgreich von den Müttern und in zwei Ausnahmefällen von Tierpflegern aufgezogen werden. Nachwuchs gab es auch schon in der zweiten Generation. So brachte die im April 2004 in Münster geborene "Mbala" hier gut vier Jahre später Vierlinge zur Welt. "Shaka", ein im Juli 2011 in Münster geborener Gepard, zog im November 2012 im Rahmen des EEP in einen englischen Zoo um.

 

M'bala mit vier Jungen Gepardin Xenia

 


Inzwischen gilt der Allwetterzoo als Einrichtung für "Problemfälle". Geparde aus anderen Zoos werden für Monate oder Jahre nach Münster geschickt und kehren entweder tragend in ihre Heimatzoos zurück oder ziehen ihre Jungen im Allwetterzoo auf. Sämtliche Transfers von Geparden werden über das Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) koordiniert. Der Bestand freilebender Geparde ist inzwischen auf nur noch etwa 10.000 Tiere gesunken. Nennenswerte Bestände gibt es ausschließlich in Namibia, Zimbabwe und Kenia.

Gute Sicht auf schöne Katze

 

Geparde leben als Einzelgänger und treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Deshalb weist die Anlage im Allwetterzoo vier separate Bereiche auf und erlaubt eine getrennte Haltung von Kater und Katze. Zudem betreiben die sehr erfahrenen Tierpfleger ein regelrechtes "Zuchtmanagement". In den Bereich, den der Kater tagsüber bewohnt, lassen sie nachts die Katze. Sowie der Kater morgens zurückkehrt, kontrolliert er die Stellen, an denen die Katze in der Nacht uriniert hat. Eine Gepardin wird nur dann "hitzig", wenn ein Kater in der Nähe ist. Sie zeigt auch nicht die für andere Katzenarten typische "Rolligkeit". Damit fehlen die für den Menschen erkennbaren Anzeichen für den richtigen Zeitpunkt, zu dem Katze und Kater zusammen treffen sollten. Den passenden Termin bestimmt allein der Kater, denn nur er kann die hormonelle Veränderung im Urin der Katze und damit deren Empfängnisbereitschaft erkennen. Ist sie kurz vor dem Eisprung, ruft er laut und fordernd nach ihr. Dann lassen die Pfleger die Tiere zusammen. Quasi als "Vorspiel" treibt der Kater die Katze über das Gelände. Durch dieses Treiben wird der Eisprung ausgelöst. Ist die Katze bereit, legt sie sich hin. Und gut drei Monate später gibt es vielleicht Nachwuchs bei den Geparden...

 

Gepardin mit Jungtier Fünf Gepardenkinder Besucher vor der Anlage

 

Das größte der vier Gepardgehege ist Müttern mit Jungtieren vorbehalten. Für Geburt und Jungenaufzucht stehen ihnen außer zwei Erdhöhlen auch Wurfboxen und zwei warme Häuser zur Verfügung. Wie im Freileben wechseln die Katzen mit ihren Jungen auch im Zoo des öfteren das Versteck. Geparde kommen etwa meerschweinchengroß auf die Welt und öffnen sehr rasch, teilweise schon nach fünf bis acht Tagen die Augen. Anfangs besteht ihr Leben aus Trinken und Schlafen, erst mit etwa zehn bis zwölf Wochen unternehmen sie Ausflüge in die nähere Umgebung.

 

Ebenso wie Hauskatzen werden junge Geparde im Zoo mehrfach gegen Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut geimpft. Entwurmt werden sie mit zwei Wochen zum ersten Mal. Dabei wird ihnen ein Mittel ins Mäulchen gespritzt, das sie unweigerlich schlucken. Würmer, die über die Muttermilch übertragen werden können, würden die Verdauung und die körperliche Entwicklung der jungen Katzen stark beeinträchtigen.

 

Entwurmung Zahnkontrolle

 

Beim großen Gesundheitscheck werden auch Zähne und Gewicht kontrolliert, die Augen untersucht, die Temperatur gemessen, der Brustkorb abgehört und der gesamte Körper abgetastet. Außerdem wird jeder junge Gepard "gechippt", d.h., ihm wird ein Transponder - das ist ein Microchip mit individueller Nummer - unter die Haut gesetzt. Mit einem speziellen Lesegerät kann so jederzeit festgestellt werden, dass die Gepardin mit der Nummer 968000005201807 "Tamika" heißt und im November 2008 in Münster geboren wurde. Der Chip ist quasi ein "Personalausweis" für Tiere.


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