News-Archiv

09.Juni 2010

Energiesparen im Allwetterzoo

- seit 20 Jahren eine Selbstverständlichkeit!

 

Nicht nur in der Tierhaltung beschreiten wir neue Wege. Auch bei einem der brennendsten Themen unserer Zeit, dem Energiesparen, ist der Zoo ein Vorreiter! Denn zukunftsorientierte Energieversorgung betreiben wir seit nunmehr 20 Jahren. Die Maßnahmen sind vielfältig und berücksichtigen immer auch die Aspekte Nachhaltigkeit, Umweltschutz, CO2-Reduzierung sowie Kostenersparnis. Das Zoogelände ist mit rund 30 Hektar sehr weitläufig. Darauf verteilen sich 35 Gebäude und Stallungen mit unterschiedlichstem Versorgungsbedarf. Besonders energieaufwändig sind die großen Häuser für Tiere mit hohem Wärmebedarf, seien es Orang-Utans oder Elefanten, tropische Vögel oder Korallenfische.

 

Korallenfische im Aquarium

 

2009 nahm der Allwetterzoo nach 2001 und 2003 zum dritten Mal erfolgreich an der Zertifizierung zum Ökoprofit-Betrieb teil. Ökoprofit ist eine gemeinsame Aktion der Stadt Münster, der örtlichen Wirtschaft und weiterer lokaler sowie regionaler Partner. Die österreichische Landeshauptstadt Graz entwickelte das Konzept Anfang der 90er Jahre. Nordrhein-Westfalen gilt als Vorreiter bei der Umsetzung und weist mit Bayern die höchste Teilnehmerdichte innerhalb der Bundesrepublik auf. Der Zoo sparte während des Zertifizierungsprozesses 37.570 Euro, 320.920 Kilowattstunden (kWh, Strom und Wärme) sowie 2.700 Kubikmeter Wasser und entlastete die Umwelt um 82,2 Tonnen CO2.

 

Orang-Utan Pongo

Bis in die 1990er Jahre hinein heizten wir Tierhäuser, Wirtschaftsgebäude und betriebseigene Wohnhäuser sowie als Wärmelieferant auch das benachbarte Naturkundemuseum mit einem Heißwasser-Heizsystem, das als Fernwärmenetz betrieben wurde. Dann wurde das System teilweise von Öl auf Erdgas umgestellt. Die Kesselanlage wurde modernisiert und zur Steuerung an die Gebäudeleittechnik angebunden. Zusätzlich errichteten die Stadtwerke Münster 1997 auf dem Zoogelände ein Blockheizkraftwerk, das in die Wärmeerzeugung des Zoos eingebunden ist. Die elektrische Nutzung liegt bei den Stadtwerken. Anfang 2006 wurde in einem weiteren Schritt die Kesselanlage mit Abgaswärmetauschern bestückt, 2007 wurden große Teile des Fernwärmenetzes erneuert. Parallel zu Veränderungen des Heizsystems wurden gezielte Maßnahmen zur Wärmedämmung im Bereich Fenster, Wände und Dächer durchgeführt.

 

Die Veränderungen zeigen heute einen beachtlichen Erfolg: Der Zoo reduzierte seinen Wärmeverbrauch von rund 9,5 Mio. kWh im Jahr 1996 auf 7,3 Mio. in 2009. Stolze 11,5 Mio. kWh würde der Zoo heute verbrauchen, hätte er eine weniger konsequente Energiepolitik betrieben. Für den Einkauf von Gas und Öl werden derzeit pro Jahr rund 480.000 € aufgewendet. Ohne die bereits erfolgten Energie-Sparmaßnahmen läge der Mehraufwand bei rund 350.000 Euro jährlich! Ein weiterer Erfolg des Energiesparens betrifft unsere Umwelt und vor allem die bedrohte Tierwelt, denn der Zoo erzeugte seit 1997 knapp 10.000 Tonnen CO2 weniger!

 

FasantaubeZusätzlich zu konventionellen Sparmaßnahmen beschritten wir in den vergangenen Jahren auch im Bereich der alternativen Energien verschiedene Wege. So werden drei im afrikanischen Stil errichtete „Hütten“ für Geparde per Erdwärme beheizt. Das Wasser für das Elefanten-Badebecken im Haus sowie für das tägliche Duschen der Rüsselträger wird über eine Solaranlage erwärmt. Im Sommer kann so ein Teil des Fernwärmenetzes abgeschaltet werden. Zwei zooeigene Wohnhäuser sowie das benachbarte Verwaltungsgebäude wurden 2009 mit einem Wärmeverbundsystem modernisiert. Im Dezember 2009 wurde in einer ersten Ausbaustufe eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen, die im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre deutlich erweitert werden soll. Seit rund 20 Jahren baut der Allwetterzoo die Gebäudeleittechnik als Instrument der Energieeinsparung weiter aus. Damit wird die gesamte Versorgungstechnik der Tierhäuser, also Heizung, Lüftung, Strom und Wasser, computergestützt gesteuert und verbrauchsmäßig erfasst.

 

Im Laufe des letzten Jahres stellten wir im Allwetterzoo weitere Überlegungen zur Verbesserung der Wärmeversorgung an. Wir kooperieren mit der Beuth Hochschule für Technik in Berlin sowie der Firma BAnTec GmbH Berlin mit dem Ziel einer zukunftsorientierten und unabhängigen Energieversorgung mit möglichst hoher CO2-Minderung. Kooperationen zum Thema Energiesparen gibt es auch mit der Fachhochschule Münster und Unternehmen der freien Wirtschaft. Ein konkretes Beispiel sind Überlegungen zur dezentralen Wärmeversorgung einiger Tierhäuser unter Einbeziehung einer CO2-neutralen Holzheizung. Ziel ist eine 70-80%ige Deckung des Wärmebedarfs, durch die etwa 1.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart würden. Die Brennstoffversorgung könnte durch Grünschnitt aus dem Raum Münster erfolgen - eventuell in Zusammenarbeit mit dem städtischen Grünflächenamt -, oder auch durch biologischen Abfall des Zoos, der beispielsweise beim alljährlichen Baumschnitt anfällt.

 

Auch in den nächsten Jahren wird der Allwetterzoo Energieeinsparungs-Maßnahmen erarbeiten und mit möglichst geringen Kosten sinnvoll umsetzen. Konkrete Beispiele hierfür sind:

          • Weiterer Einsatz solarthermischer Anlagen, Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen für Teilbereiche des Zoos.
          • Optimierung vorhandener Klima- und Lüftungsanlagen.
          • Optimierung der vorhandenen Fernwärmetrasse durch hydraulischen Abgleich.

 

 

Stand: Juni 2010


 


Folge uns auf:

Follow us - Twitter Facebook - Fan werden MySpace  - Become a Friend Youtube
Share |