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20. Mai 2009

Jonny lebt nicht mehr!
Wir trauern um unseren imposanten Orang-Utan-Mann

 

Johnny mit Bartaffe
Kurz vor seinem 37. Geburtstag starb "Jonny". Der älteste Mann in unserer Orang-Utan-Gruppe wurde schon seit rund zehn Jahren immer wieder tierärztlich behandelt. Er war chronisch erkältet und hatte stets Zahnprobleme. Zehn Backenzähne waren ihm bereits vor neun Jahren entfernt worden. Für den 13. Mai wurde ein Untersuchungstermin vorbereitet. Weil Narkosen und operative Eingriffe bei Menschenaffen nicht alltäglich sind, zog Dr. Sandra Silinski außer dem Tierarzt aus dem Wuppertaler Zoo noch Humanmediziner des Universitätsklinikums Münster hinzu. "Jonny" wurde eingehend untersucht. Auch dieses Mal mussten ihm vier vereiterte Backenzähne gezogen werden. Leider verstarb der Orang-Utan noch in der Narkose. Auch eine einstündige Reanimation konnte ihn nicht zurückholen. Die Obduktion im Primatenzentrum Göttingen ergab, dass "Jonnys" linker Lungenhauptlappen stark vereitert und nicht mehr belüftet war. Er litt unter einer behandlungsresistenten chronischen Bronchiopneumonie und hatte zudem einen Nierenschaden.

Johnny und Pongo
So groß die Trauer bei den Zoomitarbeitern auch ist, wissen doch alle, dass "Jonny" schon lange nicht mehr der "Alte" war. Er wurde in den letzten Jahren zunehmend lethargischer, fraß nicht mehr gut und bewegte sich zeitweise schwerfällig. "Ihm fehlte wohl die Luft", meinte Bärbel Uphoff. Denn "Jonny" hielt sich schon lange überwiegend am Boden auf oder in einer der Hängematten und kaum noch nach Orang-Utan-Art hoch oben in den Kletterbäumen. "An guten Tagen hat er aber immer noch gern mit "Pongo" gespielt", sagt die Revierleiterin.

Geboren am 21. Mai 1972 im Kölner Zoo, war "Jonny" im Mai 1986 nach Münster umgezogen. Gerade erst 14jährig hatte er immer wieder Streit mit dem damaligen Kölner "Gruppenchef" gesucht, vermutlich wollte er die Vorherrschaft übernehmen. Deshalb zog er gemeinsam mit "Nonja" in den Allwetterzoo um. Das Paar brachte 1989 den ersten Nachwuchs bei den Borneo-Orang-Utans in Münster, einen kleinen Jungen namens "Batu". 1995 wurde "Nonja" erneut Mutter und gebar das weibliche Jungtier "Mali". Für den letzten Nachwuchs bei unseren Orang-Utans zeichnete "Jonny" allerdings nicht mehr verantwortlich.

Orang Utan Johnny
Nachdem das jüngere Weibchen "Temmy" kurz vor Weihnachten 2006 "Ito" auf die Welt gebracht hatte, standen zwei andere Orang-Männer unter "Verdacht". "Jonny" war gesundheitlich schon seit vielen Jahren nicht mehr auf der Höhe und schied als potentieller Vater aus. Dennoch wurde ein DNA-Test von Proben aller männlichen Orang-Utans im Allwetterzoo durchgeführt. Das Ergebnis: "Pongo", 1998 im dänischen Alborg geboren, ist der Vater! Er wird nach "Jonnys" Tod vermutlich rasch zum "Gruppenchef" heranwachsen und möglicherweise ebenso imposante Backenwülste entwickeln wie dieser.

In europäischen Zoos lebten 2007 insgesamt 154 Borneo-Orang-Utans, 61 männliche und 93 weibliche. Die beiden Ältesten sind derzeit 47 Jahre alt.