„Nesthocker“ und „Nestflüchter“: Geburt und Aufzucht im Zoo

 

Manchmal haben Zoobesucher Glück und erleben eine Tiergeburt hautnah! So brachte das Islandpferd Suna an einem Sonntag und vor den Augen zahlreicher Menschen ein Fohlen auf die Welt. Auch Kamel- und Giraffengeburten gab es schon am helllichten Tag, doch meist erfreuen die Tiere ihre Pfleger mit nächtlichen Geburten. Überraschungen gibt es selten, denn in den meisten Fällen werden die Deckaktivitäten beobachtet und in der revierinternen Kartei vermerkt. Daher sind die Geburtstermine fast immer bekannt, können aber ebenso wie beim Menschen um Tage vom errechneten Zeitpunkt abweichen. Bei den Gorillas haben schon mehrfach Weibchen, die über Nacht Mutter geworden sind, den Tierpflegern früh am Morgen ihr Baby regelrecht präsentiert. Ähnlich war es bei Nonja, jedoch hatten wir bei diesem Orang-Utan-Weibchen nicht mit einer Trächtigkeit gerechnet. Die 35jährige hatte zuletzt vor 17 Jahren ein Baby auf die Welt gebracht – und deshalb war die Geburt von Niah im Frühjahr 2013 eine wirkliche Überraschung...

 

Geburt am Sonntag Nonja mit Niah

 

Andere Mütter verstecken ihren Nachwuchs, manchmal sogar wochenlang. Bei den Keas beispielsweise kann es knapp 100 Tage dauern, bevor die Jungvögel das erste Mal die Brutröhre verlassen. Dann sind diese neuseeländischen Papageien schon voll befiedert und ebenso groß wie ihre Eltern. An der gelben Nasenhaut lassen sie sich aber noch gut von den Altvögeln unterscheiden. Andere Vogelküken sind direkt nach dem Schlupf zu sehen, bei Enten und Gänsen ist das der Fall. Dass Weißstörche geschlüpft sind, lässt sich zuerst an der regen Flugtätigkeit der Eltern erkennen. Es vergehen aber Wochen, bis die Jungstörche im Horst zu sehen sind. Auch bei den Gänsegeiern dauert es lange, bis ein Küken sich zeigt. Meist „hudert“ ein Elternteil den Jungvogel, d.h., er wird unter den Flügeln von Vater oder Mutter warmgehalten und dadurch gut verborgen.

 

Kea-Eltern mit Jungvögeln Weißstorch mit Küken

 

Es gibt auch Säugetiere, deren Nachwuchs lange „unsichtbar“ bleibt, am extremsten ist das wohl bei den Beuteltieren. Junge Bennettkängurus sehen die Tierpfleger frühestens im Alter von drei Monaten. Dann sind sie schon voll entwickelt und beginnen damit, aus dem Beutel der Mutter herauszulugen. Geboren werden Kängurus als Embryonen von nur einem Gramm Gewicht. Trotz ihrer Winzigkeit bewältigen sie mit ihren bekrallten Vorderbeinchen den beschwerlichen Aufstieg von der Geburtsöffnung durch das mütterliche Fell in den Beutel. Im Beutel der Mutter umfasst der Winzling mit der Mundöffnung eine Zitze, diese schwillt an und bildet eine feste Verbindung zum Jungen, das nicht einmal saugen muss. Seine Mutter hat nämlich eine besondere Zitzenmuskulatur, mit der sie dem Jungtier die Milch einspritzt.

 

Bennettkänguru im Beutel Bennettkänguru im Beutel

 

Große Unterschiede hinsichtlich der Jungenaufzucht gibt es bei den Affen. Während der Nachwuchs der Kattas äußerst rasch heranwächst und schnell selbstständig wird, dauert es bei den Orang-Utans rund fünf Jahre, bis sich das Jungtier von der Mutter löst. Menschenaffenmütter kümmern sich stets allein um ihren Nachwuchs, doch bei kleineren Arten gibt es auch andere „Modelle“. Löwenäffchen oder Sakis leben in Familienverbänden, aus denen Jungtiere erst dann abwandern, wenn sie eine eigene Familie gründen wollen. Der Vater und ältere Geschwister helfen aktiv bei der Jungenaufzucht mit. Oft übernimmt die Mutter ihren Nachwuchs nur zum Säugen. Bei den Guerezas hingegen kümmern sich auch nichtverwandte Gruppenmitglieder um den Nachwuchs.

 

Goldener Löwenaffe mit Jungem Sakiweibchen mit Jungem Guerezas mit noch weißem Baby

 

Bei vielen Katzenarten sorgt ausschließlich die Mutter für ihre Jungen. Ein Gepardkater wird nicht wissen, dass er Vater geworden ist, während die Katze mit vier oder fünf Jungtieren alle „Pfoten“ voll zu tun hat. Zwar gibt’s im Zoo regelmäßig frisches Fleisch zu fressen, aber ähnlich wie in Afrika bringt die Katze in den ersten Wochen ihre Jungen in immer wieder neue Verstecke. Manchmal liegen die Kleinen in dichten Grasbüscheln direkt am Zaun der Anlage, manchmal in einer Erdhöhle oder im warmen Haus. In Afrika legen Gepardmütter ihre Jungen ab, wenn sie auf die Jagd gehen. Großkatzenmütter ziehen ihren Nachwuchs ebenfalls allein auf, wobei es auch Ausnahmen geben kann. Unser Löwenmann Jarah ist so gutmütig, dass er bei den letzten Würfen von seiner Partnerin Zeta und ihren Jungen nicht getrennt werden musste.

 

Gepardin mit Jungen Jarah mit Junglöwen

 

Während Geparde in den ersten rund anderthalb Jahren ihres Lebens nur zur Mutter und den Geschwistern Kontakt haben, leben andere Jungtiere von vornherein in größeren Gruppen bzw. Herden. Gerade Huftiere wie Zebras oder Antilopen stehen spätestens eine Stunde nach der Geburt auf ihren Beinen und werden schnell zur übrigen Herde gelassen. Oft kommen sie inmitten der Herde auf die Welt und lernen sofort alle „Tanten“ und den Vater kennen. Anders ist es bei den Trampeltieren: Kamel-Mütter und ihre Fohlen bewohnen in den Wochen nach der Geburt ein eigenes Gehege. So sind die Fohlen vor den etwas rüpelhaften Verwandten geschützt - und die Jungen aus dem Vorjahr trinken ihnen nicht die Milch weg! Auch Giraffenkälber verbringen ihre ersten Lebenswochen nur mit der Mutter. Sind sie sicher auf den Beinen, lernen sie erst einmal die Grenzen der Außenanlage kennen, bevor sie mit dem Vater zusammen gelassen werden.

 

Zebras mit Fohlen Kamelstute mit Fohlen erster Ausgang für Giraffenkalb

 

Neben den Tiermüttern, die über einen kurzen oder längeren Zeitraum ihren Nachwuchs liebevoll pflegen, gibt es auch etliche, die gar keine Mühe haben. Dazu zählen beispielsweise Schildkröten, Kaimane und andere Reptilien. Sie legen ihre Eier ab - und machen sich davon. Die Jungen schlüpfen und sind gleich selbständig. Die meisten Fische betreiben ebenfalls keine Brutpflege. Eine Ausnahme sind zum Beispiel Seepferdchen. Bei ihnen „bebrütet“ das Männchen die Eier in einer speziellen Hautfalte am Bauch, die das Weibchen dort hineingelegt hat. Sowie die Seepferdchen aber „geboren“, also ausgestoßen werden, sind sie auf sich gestellt. Auch Tigerpythons „brüten“ ihre Eier aus. Die weibliche Schlange schlingt ihren Körper um das Gelege und erzeugt durch Muskelkontraktionen die nötige Wärme. Sind die Jungen geschlüpft, sind auch sie sofort selbständig.

 

Sternschildkröte beim Schlupf Seepferdchen mit Jungen

 

 


 

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